Predigttext zu Abrahams Auszug (1. Mose 12, 1-4) vom 02.08.2020

Gnade sei mit uns und Friede, von dem, der da ist, und der da war, und der da kommt, von unserem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde! In unserer diesjährigen gemeinsamen Sommerpredigtreihe in Gräfrath und Ketzberg beschäftigen wir uns im Sinne unserer Jahreslosung „ich glaube, hilf meinem Unglauben“ mit Texten, in denen es um Glauben und Vertrauen geht. Und dafür ist diese uralte Abrahamsgeschichte ein schönes

Beispiel. Ich lese 1. Mose 12, zunächst nur die Verse 1+2: „Und der Herr sprach zu Abraham: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zu einem großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.“

Wir merken sofort, liebe Gemeinde, unser Gott ist kein toter Gott, wie dies gerne die Atheisten behaupten, sondern unser biblischer Gott ist ein Gott, der plötzlich und unvermittelt eingreift in das Leben von Menschen, sie zu seinen Werkzeugen auserwählt und mit ihnen seine Heilsgeschichte beginnt. Dieser Gott erscheint uns hier sehr direkt und vielleicht auch aufdringlich. Er fragte ja nicht den Abraham, ob er überhaupt damit einverstanden sei, seinen ihm vertrauten Lebenskreis zu verlassen, sondern er forderte eigentlich recht streng und zielstrebig: „Geh aus deiner Heimat in ein unbekanntes Land, das ich dir zeigen will.“

Wir können, so glaube ich, sehr gut nachempfinden, welche Ungeheuerlichkeit Gott von Abraham verlangt hat, denn sein Imperativ bedeutete damals einen Abschied für immer und ein unkalkulierbares Risiko. Abraham und seine wenigen Getreuen mussten sich ohne Aussicht auf ein Wiedersehen von ihrer gewohnten häuslichen Geborgenheit trennen, und es gab nach ihrem Aufbruch unwiderruflich keinen Kontakt mehr mit der alten Heimat. In der Einsamkeit der Wüste klingelte damals kein Handy, auch keine SMS oder eine WhatsApp-Gruppe versüßte die beschwerliche Wanderung. Wer damals aufbrechen musste, der ging zunächst einmal in eine ungewisse Zukunft voller Gefahren. Er musste täglich um sein Überleben kämpfen mit Wegelagerern und wilden Tieren, mit Wasserknappheit und Heimweh nach der vertrauten Umgebung.

Liebe Gemeinde, am Beispiel des Abraham können wir auch heute lernen, dass jeder Mensch irgendwann einmal bereit sein muss, sein alltägliches geschütztes Umfeld in Elternhaus und Schule zu verlassen. Gerade nach dem Schulabschluss verlassen junge Menschen voller Tatendrang und Aufbruchsfreude ihre gewohnten, vielleicht auch ihre etwas monotonen und eingefahrenen Wege, um dann an anderer Stelle in Ausbildung und Studium ihren Erfahrungshorizont zu erweitern, neue Anforderungen zu bewältigen und andere Menschen kennen zu lernen. Solche Aufbrüche markieren einen entscheidenden Einschnitt im Leben der Jugendlichen, um endgültig erwachsen und selbstbestimmt zu werden. Wie wichtig auch Elternhaus und Schule sind, die uns früher gerade in unserer Kindheit und Jugend Liebe, Geborgenheit und sozialen Halt gaben und eine gewisse, auch eine geistige oder geistliche Lebenssicherheit vermittelten, so ist es jedoch für jeden Menschen unerlässlich, einmal aus diesen gewohnten Ursprungsbindungen aufzubrechen und selber volle Verantwortung für sich und auch für andere zu übernehmen.

Das Umherziehen des Abraham symbolisiert und exemplifiziert meines Erachtens in deutlicher Weise diese Grundbestimmung unseres Menschseins. Wir dürfen nicht statisch im Gestern verharren und uns ängstlich an liebgewordenen Konventionen festklammern, sondern wir müssen uns vertrauensvoll den neuen Fragen der Zukunft dynamisch öffnen. So können wir nicht nur auf alte Sicherheiten pochen, sondern müssen genau so wie Abraham bereit sein, aus den vertrauten und alt bekannten Wegen aufzubrechen und neue Kontakte zu suchen und zu knüpfen.

Die Tiefenpsychologin Maria Kassel sieht gerade in der Berufungsgeschichte des Abrahams ein spezifisches Zeichen dafür, wie generell ein Jugendlicher zu einem Erwachsenen wird. Sie meint, dass jeder erwachsen werdende Mensch den Aufbruch antreten muss aus seinen biologischen und naturhaften Bedingungen, die ihm zwar einen gewissen sicheren Platz im sozialen Gefüge gewähren, die aber auch die Entfaltung eigener schöpferischer Energien hemmen, die zwar festigen, aber auch festhalten, die Wärme spenden, aber auch einlullen und die individuelle Initiative zur Weiterentwicklung bremsen.

Ich finde, Frau Kassel hat sehr eindrucksvoll die Gegensätze zwischen den alten und den neuen Wegen herausgearbeitet. So ist zwar eine Festigung an sich schön und wichtig, aber die Gefahr besteht darin, dass diese Festigung mit einem Festhalten verbunden ist, das einzwängt und abschnürt und damit neue Aufbrüche und Erfahrungen behindert. Auch ist es gewiss wunderbar, wenn man die Geborgenheit und Wärme einer vertrauten Umgebung spürt, aber sie darf nicht dazu führen, dass man eingelullt wird und somit unfähig ist, sich frischen Wind um die Nase wehen zu lassen und aufzubrechen zu neuen Zielen und Herausforderungen. So müssen wir ja auch als Eltern lernen, ab einem gewissen Zeitpunkt unsere Kinder loszulassen und ihnen ermöglichen, ihre individuellen Erfahrungen zu sammeln und ein eigenes und ein selbstständiges Leben zu führen.

Ich hatte mal vor Jahren in einem Abiturgottesdienst über diese Verse zu predigen und sprach mit den jungen Menschen zuvor über ihre Zukunftspläne.

Ein Schüler antwortete mir: „Natürlich freue ich mich auf die Zeit nach dem Abi, aber es werden unvermeidbar auch alte Kontakte verloren gehen.“ So ist es also im Leben, liebe Gemeinde, Es gibt keinen wirklichen Aufbruch ohne den gleichzeitigen Abbruch von zwischenmenschlichen Beziehungen und persönlichen Bindungen, auch wenn dies oft schmerzlich ist.

Vers 2 macht aber deutlich, dass Gott nicht nur einen strengen Anspruch postuliert, in Unbekanntes aufzubrechen und Liebgewordenes abzubrechen, sondern auch einen enormen Zuspruch bereit hält. Gott verheißt nämlich dem Abraham, dass er zum Ahnherrn eines großen Volkes werden wird und von ihm den Segen empfangen wird.

Segen zeigte sich im Alten Testament zunächst im Sinne von physischer Fruchtbarkeit, also im Kinderreichtum. Denn Abraham, der ja zunächst nur Abram hieß, wurde, wie wir alle wissen, Vater eines großen Volkes und das bedeutete dann sein neuer Name Abraham. Für ihn haben sich alle Verheißungen Gottes erfüllt. Selbst heute nach über 3500 Jahren sprechen wir noch über ihn. Abraham als Gesegneter wurde sogar zum Stammvater aller drei großen monotheistischen Weltreligionen, des Judentums, Christentums und Islams.

Segen bedeutet jedoch noch viel mehr, liebe Gemeinde, nämlich individuelles Glück, gerade auch in harmonischen Lebensbeziehungen, Spaß und Freude an einer interessanten beruflichen Tätigkeit, die unseren vollen Einsatz fordert und uns Befriedigung schenkt. Vielleicht mag ich ja altmodisch sein: Beruf bedeutet für mich immer noch Berufung und damit Freude und Hingabe an meine Tätigkeit, und nicht nur Job, also etwas, was ich – vielleicht sogar ungern – tue, nur um dadurch meinen Lebensunterhalt zu verdienen. So bin ich Gott auch heute noch von Herzen dankbar, dass für mich meine Tätigkeit als Latein- bzw. Religionslehrer wirklich ein Beruf war, den ich gerne ausübte und der mich voll befriedigt und erfüllt hat. Der Segen ist natürlich auch mit Gesundheit und vor allem auch mit innerer Zufriedenheit und seelischer Ausgeglichenheit verbunden.

Vers 2 schließt aber nicht nur mit dieser Zusage eines gesegneten Lebens, sondern er enthält auch noch einen kräftigen Imperativ, einen wirklich ernst zu nehmenden Anspruch, der meines Erachtens für unser aller Leben gelten sollte. Gott ermahnte den Abraham: Du sollst ein Segen sein!

Wer von Gott gesegnet ist, der behält diesen Segen nicht nur egoistisch für sich. sondern der versucht in altruistischer Weise, anderen zum Segen zu werden, indem er sich tatkräftig für sie einsetzt und immer ein offenes Ohr für den Nächsten hat. Der biblische Segen hat also auch und gerade eine soziale und politische Dimension.

Wir können aber, wie einst Abraham, sicher sein, dass Gott uns begleiten will, wenn wir bereit sind, uns auf seine Führung einzulassen. Das bedeutet ja im biblischen Sinne zu glauben, nämlich Gott eine Chance zu geben und ihm die Möglichkeit zu eröffnen, eine entscheidende Rolle in unserem Leben zu spielen.

Im Religionsunterricht besprach ich gerne Texte von Heinz Zahrnt. Dieser 2003 verstorbene evangelische Theologe und bekannte Publizist bemühte sich in besonderer Weise, gerade kirchlich distanzierten Zeitgenossen auf intellektuelle Weise die biblische Botschaft etwas näher zu bringen. Zahrnt meinte in Bezug auf die Gottesfrage: „Welche Wahrheit ein Mensch auch wählt, er kommt nicht um die Zumutung herum, dass er sich auf etwas einlassen muss. Bei der Begegnung mit dem christlichen Glauben geht es nicht anders zu. Auch er bietet eine Lebensmöglichkeit an, die man nur erproben kann. Wer Gott erfahren will, muss – wie auch sonst im Leben- auf etwas setzen, was er vorher nicht weiß. Er muss glauben, denken und handeln, als ob es Gott gibt. Allein so wird er erfahren, ob es ihn gibt. Gott wohnt nur dort, wo man ihn einlässt.“

Liebe Gemeinde, Abraham hatte Gott vertraut, er hatte sich auf diesen unsichtbaren Gott eingelassen und diesen ungewöhnlichen und für die damalige Zeit sehr gefährlichen Exodus gewagt. Und auf seiner langen, beschwerlichen Lebenswanderschaft hatte er dann vielfältig erfahren, dass es Gott gibt.

Wie steht es mit uns, liebe Gemeinde? Warum lassen wir uns heutzutage so wenig auf diese Zumutung ein? Warum erproben wir nicht mal diese Möglichkeit, mit Gott zu leben? Warum rechnen wir kaum noch mit dem Eingreifen Gottes in unsere Zeit? Warum reden wir mit ihm viel zu wenig im Gebet?

Ich halte Zahrnts Ratschläge für sehr wichtig. Wir sollten auch im 21. Jahrhundert von der Realität Gottes ausgehen und ihn hineinlassen in unser Herz, hineinlassen in unser Denken, hineinlassen in unser Leben. Denn Gott will nur da wohnen, wo man ihn einlässt. Amen

Dr. Holger Ueberholz

Lass mich doch in Ruhe… Wort der Zuversicht 23. Juni 2020

Ein Spaziergang im Sonnenschein. Ein Cappuccino auf dem Balkon. Eine Pause im hektischen Alltag – das tut gut! Vogelgezwitscher, die Bienen brummen, in der Nähe spielende Kinder. Die Kinderstimmen werden lauter, ein Streit scheint ausgebrochen, dann der Ruf: Ach, lass mich doch in Ruhe!

Lass mich doch in Ruhe! Genau! Manchmal will ich das alles nicht mehr sehen und hören: Corona und die vielfältigen Auswirkungen, Fleischfabrik, Rassismus, Gewaltausbrüche, der amerikanische Präsident und was er wieder von sich gibt… Lass mich doch in Ruhe damit!

Der Wochenspruch für diese Woche lautet – Jesus Christus spricht: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. (Matthäus 11, 28)

Was für ein wohltuendes Wort! Aber es hört sich auch ein wenig sperrig und altertümlich an, wie Luther es übersetzt – mühselig, beladen… Gerne schaue ich in moderne Bibelübersetzungen und entdecke z.B. Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde
euch Ruhe geben. („Hoffnung für alle“)

Ja, nach Ruhe sehne ich mich. Die alltäglichen weltweiten Nachrichten werden mir echt zu viel, ganz zu schweigen, von dem privaten Kram, der auch manchmal ganz schön lästig werden kann. Zu Jesus soll ich damit kommen. Er lädt persönlich ein, ihn damit zu belasten. Dieser kurze
Abschnitt der Bibel wird auch „Heilandsruf“ genannt. Der Heiland ruft zu sich. Der alles heil macht lädt ein, bei ihm abzuladen. Jesus ist der Arzt, der unsere Seelen ruhig und heil machen will.

Die Hilfe für meine Unruhe liegt in der direkten Begegnung mit ihm. Jesus darf und kann ich vertrauen. Jesus meint es ernst mit seiner Einladung. Er hat schon mal Ernst gemacht damit, als er sich am Kreuz unsere Lasten aufgeladen hat. Für mich ist das geschehen. Das darf ich ganz
persönlich nehmen, dass er dabei auch an mich gedacht hat.

Wenn ich das ernst nehme, kann mich das zutiefst entlasten und frei machen. Jesus trägt mich mit allem, was mir so viel Mühe und Sorgen bereitet.

Ach, lass mich doch in Ruhe! – so kann ich diesen Ausruf zu einem Gebet machen: Ach, Jesus, lass mich doch in Ruhe bei dir sein. Lass mich bei dir zur Ruhe kommen und die Kraft, die du schenkst, heute neu spüren können. Lass mich vertrauen, dass du meine Unruhe und Mutlosigkeit trägst. Deine Einladung, abzuladen, will ich gerne annehmen!

Jesus, darum sage ich dir jetzt das, was mich belastet: …….
Danke, Jesus, bei dir ist alles gut aufgehoben. Das macht mich ruhig und gelassen! Amen!

Entlastet und befreit kann ich aufatmen und weiter machen…
Bärbel Albers

Duftstoffe – Wort der Zuversicht 18.6.2020

Ich mag den Geruch von reifen Erdbeeren, lecker – ich genieße den Duft von frischen Brötchen und ich werde wach, wenn ich denn Duft von Cappuccino einatme. Vielen geht es ähnlich. Supermärkte nutzen das aus. Sie wollen den Kunden an der Nase herumführen. Stellt euch vor, ihr schiebt euren Einkaufswagen vorbei an Schokoladentafeln und schon verströmt eine fast unsichtbare Duftsäule den leichten Duft von herbem Zartbitter. In der Weinabteilung fruchtiges Weißweinaroma. Der Duft animiert zum Kaufen. Marketing Experten erhoffen sich dadurch eine Umsatzsteigerung von 6 %. Selbst ein Cabrio verkauft sich besser, wenn im Autohaus eine Ozeanbrise weht.

In 2. Korinther 2,14f sagt Paulus von sich: Ich danke Gott, dass er mich immer im Triumphzug von Christus mitführt und seine rettende Botschaft durch mich an allen Orten bekanntmacht wie einen Wohlgeruch, der sich ausbreitet. Von mir geht der Wohlgeruch der Botschaft von Christus aus, und das zur Ehre Gottes. Wörtlich: Wir sind ein Christusduft für Gott.
Das klingt vielleicht etwas überheblich – denk´ ich doch manchmal, dass von mir ganz andere Düfte ausgehen….

Doch Paulus will sich hier auch gar nicht auf die Schultern klopfen und ganz besondere Leistungen hervorheben. Ganz im Gegenteil, er will den Korinthern deutlich machen, gerade in unserer Schwachheit, in den Leiden und Anfechtungen wurden wir ein Christusduft.

Denn besonders darin war Christus in uns gegenwärtig und benutzte seine
Boten für den Siegeszug Gottes, nämlich das Menschen erkennen: ja, Gott ist ja doch da. Da geht es jemandem überhaupt nicht gut, vielleicht krank, vielleicht in Trauer, vielleicht in Quarantäne oder vielleicht auch finanziell gebeutelt, aber sie und er halten fest an ihrem Glauben an den gegenwärtigen Gott. Sie finden in ihm Kraft. Sie leben den Satz: „Der Herr ist in den Schwachen mächtig!“

Es ist oft so, dass sich die Erkenntnis Gottes sich nicht durch Menschen ausbreitet, die vor Kraft, Überredungskunst und Bestleistung nur so strotzen, sondern durch Menschen, die sich in ihrem bruchstückhaften Tun, in ihrer kleinen Liebe und in ihrem sporadischen Gebet sich ihm hingeben und sagen: mach du etwas daraus zu deinem Lob.

Sie werden zum Christusduft, dem Gott gut in der Nase steht (besser als jedes Opfer). Es ist der Duft der Liebe Gottes, der einen nicht an der Nase
herumführt, wie die Duftstoffe im Supermarkt, sondern der einfach nur gut tut.

Thomas Schorsch

Foto: epd bild Zugaben Es hätte gereicht, den Blumen Farbe zu geben. Gott aber schenkte ihnen auch den Duft. Es hätte gereicht, ein Licht zu machen. Gott aber gab der Sonne ein leuchtendes Gesicht. Es hätte gereicht, Wasser zu erschaffen. Gott aber gab uns den Wein dazu. Das Leben soll mehr sein als Mühe und Last. Gott schenkt uns Glückszugaben, damit wir fröhlich werden und unsere Tage genießen. TINA WILLMS

Und, hat´s geschmeckt?! Wort der Zuversicht 16. Juni 2020

Bild: www.gemeindebrief.de

Ja! Das hat mir richtig gut geschmeckt!
Das erste Eis in der warmen Sonne nach einem langen Winter. Lecker!
Das erste Essen auswärts nach der Wiedereröffnung der Restaurants. Wunderbar!
Die ersten selbst gepflückten Erdbeeren oder frischer Spargel vom Feld. Köstlich!
Die Bratwürstchen vom Grill. Lecker!

Klar, es ist immer Geschmacksache, was jemand besonders gerne mag, aber das damit verbundene Erlebnis kennen wir alle – dass wir ein Essen oder eine Speise als besonders lecker oder wohltuend erleben.
Ein Vers aus dem Eingangspsalm im gestrigen Gottesdienst klingt noch in mir nach – Psalm 34, 9: Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn trauet!

Ja, Gottes Freundlichkeit können wir schmecken und sehen in all den leckeren Dingen, die nun im Frühjahr und Sommer so reichlich wachsen, die wir ernten und köstlich zubereiten. Und lässt uns dankbar sein für die lieben Menschen, die dahinter stehen!

Dieser Vers wird aber auch häufig gesprochen, wenn wir im Gottesdienst zum Abendmahl einladen. Nun habe ich diese Worte schon länger nicht gehört, weil wir derzeit aufgrund der Pandemie kein Abendmahl feiern.
Ja, im Abendmahl, da können wir Gottes Liebe und Freundlichkeit sehen und schmecken. In Brot und Wein erinnern wir uns daran, dass Gott uns freundlich gesonnen ist, dass er es unendlich gut mit uns meint und dass seine Freundlichkeit auch dann nicht aufhört, wenn wir ihn vergessen oder uns von ihm abwenden.

Jesus, Gottes Sohn, hat oft mit den Menschen zusammen an einem Tisch gesessen und gegessen und getrunken. Auch mit denen, mit denen sonst kaum jemand was zu tun haben wollte, hatte er Tischgemeinschaft, hat Brot und Wein geteilt. Mit dem Zöllner Zachäus, mit der stadtbekannten Sünderin, ja sogar Judas, seinen Verräter, hat er nicht rausgeschmissen. Bei der Speisung der 5000 – wer mag da alles dabei gewesen sein! Und Jesus erzählt im Gleichnis vom großen Festmahl, dass der Gastgeber auch die von „den Hecken und Zäunen“ einlädt, also alle, die da auf der Straße herumlungern.

Gott hat ein Herz für solche Leute. Er ist freundlich zu jedem und allen wohlgesonnen. Ihm kann man vertrauen und wer das wagt, wird nicht enttäuscht. Das dürfen wir uns sozusagen auf der Zunge zergehen lassen! Gott selber lädt uns ein und deckt für uns den Tisch. Er lädt uns ein, bei ihm, in seiner Nähe Platz zu nehmen und seine Fürsorge und Tischgemeinschaft zu genießen.

Natürlich können wir das im Abendmahl in besonderer Weise spüren, aber auch sonst dürfen wir – im Bild gesprochen – an seinem Tisch Platz nehmen. Mit allem, was wir mitbringen, an Freude und Dank, an Kummer und Sorgen – der Gastgeber hat für alles ein Ohr. Er sieht, wie´s mir geht und was ich brauche.

Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist. Wohl dem, der auf ihn trauet! Die Erfahrung, dass die Gemeinschaft mit Gott uns gut tut, wünsche ich Ihnen von Herzen!

Bärbel Albers

Urlaub, das Leben und Gott – Wort der Zuversicht 12.06.20

Gott spricht: Suchet mich, so werdet ihr leben. Amos 5,4

Bald ist Sommer. Wir sehnen uns danach: Urlaub, Beine hochlegen, ausspannen, das Leben, die freie Zeit genießen, Berge, Wasser, Wärme, Natur, Essen, Wein, Menschen. Die Reisewarnungen für die meisten europäischen Länder sind ja aufgehoben. Jetzt noch schnell buchen?
Vielleicht geht es dieses Jahr auch ruhiger. Kein: das muss ich auch noch gesehen haben. Urlaub – vielleicht in einer kleinen Ferienwohnung oder zu Hause – in diesem Jahr ohne große Attraktionen?

Foto: www.gemeindebrief.de

Vielleicht in diesem Jahr: viel Zeit habe zum Nachdenken.
Wonach rennen wir?
Was suchen wir?
Wie viel Lebenssinn steckt in meinem Leben?
Was stillt meinen Lebensdurst?

Und wer und was spielt eine Rolle in meinem Leben? Familie, Erfolg, Anerkennung, Freunde, Gesundheit, Gemeinde, Gerechtigkeit, Gott?
Welche Position nimmt Gott bei all dem, was mein Leben bestimmt ein:
Regisseur, Mitspieler, Lebensstifter oder eher Randfigur?
Gott spricht: „Suchet mich, so werdet ihr leben!“
Was Amos zu seiner Zeit in Israel vorfand, widersprach allem, was sich Gott unter gelungenem Leben vorstellte.

Klar, es gab viele, die konnten ihr Leben genießen, sie hatten ihren Spaß, hatten Erfolg und Anerkennung. Doch alles auf Kosten der Gerechtigkeit, auf Kosten der Armen und Schwachen. Es herrschten Habgier, Korruption und böse Machenschaften. Und Gott war nur noch Randfigur.
Der Gottesdienst – eine Farce. Gott konnte diese Heuchelei nicht mehr riechen. Er war es leid und drohte daher mit Gericht. Und Amos rief als sein Sprachrohr das Volk auf: Suchet den Herrn. Sucht Gerechtigkeit. Sucht und liebt das Gute und hasst das Böse. Nur so werdet ihr leben.

Amos hinterfragt auch heute unseren Lebensstil und unser Gemeindeleben. Leben misslingt, wenn es auf Kosten anderer gelebt wird. Leben gelingt, wenn wir es uns etwas kosten lassen, dass es dem andern gut geht.
Leben und das Gute lieben wird eins.

Wenn ich im Gottesdienst wirklich Gott suchen will, dann werde ich ihn finden, unabhängig von meiner Wunschform eines Gottesdienstes.
Wer ihn sucht, verzichtet darauf, Recht behalten zu müssen. Er und sie streben viel mehr danach, wie Gott zu seinem Recht kommen kann in unserem eigenen Leben, um uns herum und in der Gemeinde.
Wenn wir ihn suchen, werden wir ihn finden.

Ihr Thomas Schorsch

Setz dich hin, Gott ist schon da! / Wort der Zuversicht 9. Juni 2020

Trinitatis – so lautet der Name des letzten Sonntags, des ersten Sonntags nach Pfingsten, an diesem Sonntag feiern wir den dreieinigen Gott – Vater, Sohn und Heiliger Geist.

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ – so grüßt der Apostel Paulus die Gemeinde in Korinth (2. Korinther 13,13) und so heißt es im Wochenspruch für diese Woche.

Trinitatis erzählt vom großen Gott, der sich uns Menschen auf so unterschiedliche Art und Weise offenbart. Aber es ist der eine Gott. Wie kann man sich das vorstellen?

Ein schönes Bild für mich ist das Wasser – es kann so vielfältig sein. Die Erscheinungsformen sind sehr verschieden, aber das Wesen ist das Gleiche. Wasser begegnet mir in flüssiger Tropfenform – frisch aus dem Wasserhahn oder der Flasche, oder als kleiner Regentropfen und im weiten endlosen Meer. Wenn ich Wasser erhitze, wird Wasser zu luftigem Dampf, gut zu beobachten z.B. beim Kochen. Und als drittes begegnet mir Wasser in fester Form – als Eis. Flüssig, gasförmig oder fest – aber es bleibt doch immer Wasser.

Vater, Sohn und Heiliger Geist – es war, ist und bleibt alles Gott!

Gott begegnet mir als kräftiger und liebevoller Schöpfer und Vater. Er begegnet mir in der Menschlichkeit Jesu. Auch im Leiden ist er da und mir ganz nah, weil er das alles selbst erlebt hat. Er ist barmherzig und schenkt mir Vergebung. Und er bringt mich neu in Bewegung durch seinen Heiligen Geist, der mich ermutigt und stärkt, mir die Angst nimmt und mich mit anderen Menschen zu einer Gemeinschaft verbindet. Mir würde was fehlen ohne eine der drei „Personen“ – alles gehört zu meinem Bild von Gott.

Gott ist in sich Gemeinschaft und Beziehung. „Gesellige Gottheit“ – so hat ihn der Schweizer Theologe Kurt Marti genannt. Ich versuche, mir das vorzustellen: Ein Gott, der durch und durch Liebe ist, der nicht für sich bleiben will. Und ausgerechnet meine Gesellschaft sucht!

Vor der Kirche meiner Heimatgemeinde steht eine Bank, darauf steht – übersetzt aus dem plattdeutschen: „Setz dich hin, Gott ist schon da!“ Wie schön! Ich darf mich hinsetzen und reden, als ob Gott neben mir sitzen würde. Und da darf ich mich ausruhen und neue Kraft tanken. Ich darf loswerden, was mich beschäftigt. Mir Freude bereitet. Was mir gelungen ist. Oder was mich belastet und nervt. Und Gott sitzt da, legt vielleicht den Arm um mich, lässt mich seine Nähe spüren und hört mir zu. Wie ein Vater. Und wie der Sohn vergibt er mir, wenn ich Fehler gemacht habe, oder ich so gelebt habe als ob es ihn nicht gäbe. Und dann schubst er mich sanft wieder hoch und lässt mich gesegnet, gestärkt und be-geistert weiter gehen.

So klein wird Gott und so groß und wirksam ist er doch.

Ich frage mich – ist es nicht sogar einfacher, einen dreieinigen Gott zu verstehen und ihm zu vertrauen, als an einen einzigen, so unfassbar großen Gott? Einen Gott, der sich nämlich nicht nur in einer, sondern sogar auf oder in dreierlei Art und Weise uns Menschen zeigt und offenbart?

Die Rede vom dreieinigen Gott erinnert an eine lange, lange Geschichte Gottes mit seinen Menschen – und auch mit mir! Diese Geschichte kann ich mir mit drei Worten merken: Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Die Nähe dieses Gottes wünsche ich Ihnen von Herzen!

Bärbel Albers

Wort der Zuversicht – Dein Herz sei unverzagt.

Jesaja 7,6: Hüte dich und bleibe still; fürchte dich nicht, und dein Herz sei unverzagt.

Passt das zusammen? Einerseits sich hüten – also Vorsicht! Still bleiben – also mehr oder weniger: bleibt möglich zu Hause und von wegen fürchtet euch nicht, sondern fürchtet euch. Nehmt die Sache nicht zu leicht, denkt nicht, die Seuche wäre vorbei. Lockerungen hin oder her: Vorsicht! Fürchtet Euch! Hier heißt es ganz anders. Bleibe still, tu nicht aus Furcht das Falsche. Vertraue!

Im Jahre 733 wurde Jerusalem durch das Nordreich Israel und den Aramäern belagert. Die davidische Dynastie unter Ahas, König von Juda, sollte gestürzt werden.

Doch Gott sagte durch den Propheten Jesaja zu Ahas: Jerusalem wird nicht erobert werden. Ahas aber misstraut ihm und möchte zu seiner eigenen Sicherheit sich mit den Assyrern verbünden. Gott will das nicht, denn ein Bund mit Assyrern bedeutet immer auch Kompromisse in der Anbetung der fremden Götter eingehen:

Und so muss Gott ihn und seine Gefolgsleute warnen: „Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht!“ Wenn ihr mir nicht glaubt und ihr euch stattdessen in die Hand der Assyrer begebt, damit sie euch helfen, dann werdet ihr nicht bleiben, dann wird man von eurem Königreich bald nichts mehr merken. Doch Ahas hört nicht auf Gott, sondern unterwirft sich mit Haut und Haar Assyrien und deren Religion. Von seiner Königsherrschaft ist nicht mehr viel geblieben.

Hätte er dem Wort Gottes geglaubt, hätte er Geduld gehabt und auf Gottes Stärke getraut, wäre es anders gelaufen…. doch aus Angst und Misstrauen tut er das Falsche.

Was wäre denn für uns heute das Falsche. Falsch wäre es, Geduld zu verlieren, zu meinen, Gott hätte einen im Stich gelassen und in Selbstmitleid zu versinken. Genauso falsch wäre es trotzig Risiken einzugehen, alle Vorsichtsmaßnahmen über Bord zu werfen im Glauben, mir wird schon nichts passieren und dem andern neben mir auch nicht. Gott wird einen schon beschützen.

Bleib still, vertraue Gott, dass er auch aus einer Krise Gutes schaffen kann. Nicht verzagen, weil wir nie aus seiner Hand fallen und so auch Widrigkeiten ertragen können.

Nicht nichts tun, sondern aufmerksam sein auf das, was Gott möchte, hinhören, was ist der richtige Weg, die bessere Vorgehensweise wählen.
Mutig sein und stark sein, meint nicht den Helden spielen und drauf los. Mut und Stärke gewinne ich aus dem Glauben, sie machen Angst und Sorgen kleiner.

Wir wissen nicht, wie die Zukunft aussieht, wann alles wieder normal sein wird, wann wir wieder richtig feiern können, aber ich weiß: Gott hat mir schon so viel geschenkt und er liebt mich und hört nie auf damit, wovor soll ich mich fürchten? Warum sollte ich verzagen. Außerdem: das Schönste kommt noch – nicht im Hier und Jetzt, sondern der einst bei seiner großen Party.

Thomas Schorsch

Herzlichen Glückwunsch, liebe Kirche! / Wort der Zuversicht 2. Juni 2020

Geburtstag – ein wichtiger Tag! Kinder nehmen es ganz genau und zählen jede Nacht, die sie noch schlafen müssen, bis es so weit ist. Je älter man wird, desto schneller fliegen die Lebensjahre dahin. Gewisse Geburtstage sind ganz wichtig, der 18., die runden oder halbrunden. Und augenblicklich heißt es z.B. – eigentlich würde ich ja jetzt meinen 50. Geburtstag groß feiern, aber geht ja nicht…

Egal, ob man einen Geburtstag still begeht, oder sogar ignoriert, oder ob man ihn mit großem Tamtam feiert, es zeigt immer – jemand ist am Leben!

Quelle: www.gemeindebrief.de / Grafik: Plassmann

Gerade haben wir Pfingsten gefeiert – da hat die Kirche Geburtstag! Ja, die Kirche lebt! Auch wenn momentan viele Veranstaltungen ausfallen, findet das Leben in der Gemeinde weiter statt und ganz neue Formen werden zum Teil geboren.

Damals begann alles mit einem rauschenden Fest! In Jerusalem wird das jüdische Wochenfest gefeiert. Bei diesem Fest steht die Erinnerung daran im Mittelpunkt, wie Mose die zehn Gebote an das Volk Israel übermittelt hat. Jüdinnen und Juden aus verschiedenen Ländern pilgern dafür nach Jerusalem. Die Stadt ist voller Menschen aus aller Herren Länder, alle möglichen Sprachen werden gesprochen.

Auch die Jünger sind da. Sie sind überzeugt, dass Jesus auferstanden ist. Aber sie trauen sich noch nicht, diese frohe Botschaft auch allen anderen Menschen zu verkünden. Jesus hat ihnen versprochen, dass der Heilige Geist auf die Erde kommen würde und deshalb sind sie voller gespannter Erwartung. Jesus sagte: „Und seht doch: Ich werde den Geist zu euch senden, den mein Vater versprochen hat. Bleibt hier in der Stadt, bis ihr diese Kraft von oben empfangen habt.“ (Lukas 24, 49)

Als die Jünger sich versammelt haben, rauscht und braust es in dem Haus wie bei einem Sturm. Plötzlich sehen sie Zungen wie aus Feuer und die Kraft des Heiligen Geistes erfüllt sie. Sie beginnen in unterschiedlichen Sprachen zu sprechen und jeder, der mittlerweile zu dem merkwürdigen Haus gekommen ist, versteht ihre Worte.

Petrus fängt an, von Jesus und seinen Lehren zu erzählen. Seine Worte sind so beeindruckend, dass sich an diesem Tag 3.000 Menschen taufen lassen. Damit ist die erste christliche Gemeinde in Jerusalem „geboren“. Die Jünger und Freunde Jesu ziehen in die Welt hinaus, verkünden seine Worte und die Gemeinschaft der Christen wird mit jedem neuen Tag größer.

Heute gibt es weltweit etwa 2,5 Milliarden Christen, in Deutschland ca. 46.5 Millionen – welch eine große Bewegung aus dieser verzagten kleinen Jüngerschar geworden ist!

Da kann man nur sagen – herzlichen Glückwünsch! Weiter so, liebe Kirche! Ich freue mich, dazu zu gehören und hoffe, dass Kraft, Mut und Zuversicht durch dich gerade jetzt deutlich zu spüren sind!

„Der Heilige Geist: frischer Wind in unserem Leben – überraschend, kraftvoll, verändernd. Er denkt Gedanken des Friedens in unseren Köpfen. Er gießt uns Begeisterung ins Herz. Er füllt uns die Hände mit Gottes Liebe und macht einen Weg für das Wunder frei.“ (Tina Willms)

Diesen frischen Wind wünsche ich Ihnen von Herzen!

Bärbel Albers

Wort der Zuversicht 28.05.20 – Setzt die Segel!

Ich mag segeln. Letztes Jahr hat mich unser Organist Markus Hartmann mitgenommen. Es war nur ein kurzer Trip in Holland. Und wir hatten an ersten Tag richtig schönen Wind. Jeder hat da seine Aufgabe. Einer muss rudern, der andere richtet das Vorsegel, wenn eine Wende angesagt ist. Da wir starken Wind hatten, refften wir das Großsegel. Wir wollten ja nicht kentern und auch nicht eine zu starke Neigung haben, dann kommt man nämlich auch nicht voran. Der Wind bestimmt Richtung und Geschwindigkeit und die Strömung tut das Ihre noch dazu.

Wer unbedingt in die Richtung will, wo auch der Wind einem entgegenbläst, muss viel kreuzen. Am besten man segelt dahin, wo einem der Wind im Rücken steht oder von der Seite kommt.

Segeln ist für mich ein Bild für den Heiligen Geist. Im Hebräischen heißt „Geist“ „ruach“ und bedeutet Atem oder auch Wind. Johannes 3,8: Der Wind weht, wo er will. Wir denken ja immer, der Geist Gottes soll sich am besten nach uns richten. Wir bestimmen, wo es langgehen soll und Gott soll dazu das Gelingen schenken.

Wer im Glauben vorankommen will, der sollte dem Wind, dem Geist Gottes nachspüren. Von wo kommt er? Wo will er mit mir hin? Was ist Gottes Ziel für mein Leben?

Doch oft mühe ich mich gegen den Wind ab, ich will mein eigenes Ziel anpeilen. Der Gottes Geist steht dem entgegen. Dann muss ich kreuzen und komm nicht richtig weiter. Wenn dann noch die Strömung – sprich widrige Zeitumstände – einem entgegenstehen, dann komme ich gar nicht vorwärts. Ich treibe vielleicht sogar ab und lande dort, wo weder ich noch Gott einen haben will.

Corona hat vielen zurzeit sozusagen den Wind aus den Segeln genommen – man wurde ausgebremst. Gewohnte Aktivitäten in Freizeit und Beruf laufen gar nicht oder eingeschränkt. Wenn wir am Sonntag Pfingsten feiern, dann wäre das die Möglichkeit, die Segel neu zu setzen und sich von Gottes Geist bewegen zu lassen, dahin wo er uns mit unserer Zeit, Aktivität und Kreativität haben will. Daraus kann auch ein Gebet werden:

O Heilger Geist bewege meinen Geist, mein Leben nach deinem Willen. Ich möchte mit dir zu den Menschen, die mich brauchen, mein Telefongespräch, mein Nachfragen, mein Gebet.

O Heilger Geist bewege mein Herz zu den Menschen, die ich nur schwer lieben kann.

O Heilger Geist bewege mein Denken weg von den eigenen Sorgen hin zu deiner Sorge um diese Welt.

Thomas Schorsch

Gelassen sein / Wort der Zuversicht 26. Mai 2020

Psalm 31 aus der täglichen Bibellese vom Sonntag wirkt in mir noch nach. Aus nur drei Versen besteht dieser kleine, aber feine Psalm, den ich irgendwie bisher gar nicht so bewusst wahrgenommen habe:

Ein Lied für die Pilgerreise 1 HERR, Hochmut hat in meinem Herzen keinen Platz. In meinen Augen liegt keine Überheblichkeit. Ich habe mich nicht mit Dingen abgegeben, die zu groß sind und zu wunderbar für mich. 2 Vielmehr fand ich zur Gelassenheit zurück. Da konnte meine Seele zur Ruhe kommen. Wie ein gestilltes Kind bei seiner Mutter, wie das gestillte Kind an meiner Brust – so ist meine Seele zur Ruhe gekommen. 3 So soll auch Israel auf den HERRN warten von heute an bis in alle Zukunft.

Eine Pilgerreise ist vielleicht zu hoch gegriffen, aber eine Andacht oder ein Gottesdienst oder nur mal ein Moment der Stille ist eine wohltuende Unterbrechung des Alltags. Und der ist manchmal ganz schön anstrengend! Erst recht jetzt zu Corona-Zeiten, wo so vieles so anders ist als sonst.

In Psalm 131 erfahre ich – ich darf das bei Gott abgeben – alles, was mir den Alltag manchmal so mühsam macht. Was nicht klappt und mich nervt. Besonders natürlich die Fehler der anderen strengen mich an – ja, die lassen mich manchmal ganz schön hochmütig werden – mir wäre das nicht passiert! Wirklich? Dafür passieren mir anderen Dinge, wo andere vermutlich stolz denken – das hätte ich besser gemacht.

Bei Gott darf ich einfach mal schwach sein. Wie ein Kind in den Armen seiner Mutter. Beschützt, geborgen, sicher. Einfach nur da sein und vertrauen. Gott vertrauen!

Ich darf mit meinen Fragen zu Gott kommen und sie ihm abgeben. Die schweren, großen Warum-Fragen – bei Gott darf ich sie loswerden. Die Verse von Psalm 131 ermutigen mich, dem Herrn der Welt zu vertrauen. Begreifen muss ich nicht alles. Es genügt zu wissen, dass Gott die Welt in seinen Händen hält.

Meine Seele darf bei Gott zur Ruhe kommen. Das merke ich in dieser merkwürdigen Zeit besonders. Ich darf mal Hektik und Lärm beiseitelassen. Und ich erlebe: abgesagte Termine und Veranstaltungen ermöglichen neues – Kontakte, Gespräche, die Zeit wird wertvoll für anderes und bekommt ihren Sinn. Und ich übe mich darin, von Woche zu Woche, oder manchmal nur von Tag zu Tag zu schauen, was gerade möglich ist und damit zufrieden zu sein.

„Gott, schenke mir Gelassenheit, denn was ich lasse, überlasse ich dir!“

Gelassenheit – ich wünsche sie mir und Ihnen von Herzen!

Bärbel Albers