Medizinische Masken ab Montag verpflichtend!

Liebe Gemeindemitglieder,

ab dem kommenden Montag, 25. Januar 2021, sind auch bei uns bei Gottesdiensten (wenn wir wieder welche anbieten) medizinische Mund-Nasen-Bedeckungen (OP- oder FFP2-Masken) verpflichtend und diese sind auch am Platz zu tragen.

Das gilt auch für alle anderen Versammlungen zur Religionsausübung (zum Beispiel Trauerfeiern und Andachten).

Bitte beachten Sie dies und kommen Sie nicht mehr mit einer Stoff-Maske.

Vielen Dank!

 

Thorsten Latzel zum Präses gewählt

Dr. Thorsten Latzel, Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt am Main, Quelle: ekir.de

50-jähriger Akademiedirektor wird Nachfolger von Manfred Rekowski

Düsseldorf. Thorsten Latzel wird Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland. Die Landessynode wählte den 50-jährigen Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt an die Spitze der Kirche, zu der zwischen Niederrhein und Saarland rund 2,4 Millionen Menschen gehören. Er tritt die Nachfolge von Manfred Rekowski an, der im März nach achtjähriger Amtszeit in den Ruhestand geht.Der promovierte Theologe setzte sich im ersten Wahlgang mit 113 Stimmen gegen seine Mitbewerberin und seinen Mitbewerber durch: Almut van Niekerk, Superintendentin des Kirchenkreises An Sieg und Rhein, erhielt 57 Stimmen. Auf Professor Dr. Reiner Knieling, Leiter des Gemeindekollegs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) in Neudietendorf, entfielen 17 Stimmen. Der neue Präses wird am 20. März in sein Amt eingeführt.

Konsequent von den Menschen her denken

Kirche müsse konsequent von den Menschen her denken, hatte Latzel in seiner Vorstellungsrede vor den Abgeordneten aus den 37 rheinischen Kirchenkreisen in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland gesagt. Es gehe nicht um die Frage „Wie kommen die Leute zu unseren Angeboten?“, sondern: „Was können wir tun, um Menschen in ihrem Leben und Glauben zu stärken? Dazu müssen wir sie fragen: persönlich, zu Hause. Und wir sollten mit den 20- bis 40-Jährigen anfangen.“

Kirche muss Ort der Hoffnung für die Welt sein

Die Gesellschaft stehe vor immensen Aufgaben, so Latzel. Er nannte als Beispiele die Zerstörung der Umwelt, Gewalt und Ungerechtigkeit sowie antidemokratische Kräfte, gegen die die offene Gesellschaft gestärkt werden müsse. „Als Christinnen und Christen haben wir auf all das keine einfachen Antworten. Aber wir haben eine andere Perspektive: eine Perspektive der Hoffnung. Wir glauben an einen Gott, der die Welt in seinen Händen hält und der vom Tod auferweckt. Wir leben aus der unbedingten Liebe Christi, die uns auch mit Feinden anders umgehen lässt. Und wir haben die verwegene Hoffnung, dass Gottes Geist diese Welt zu einem guten Ende führen wird.“ Aufgabe der Kirche sei es, Ort der Hoffnung für die Welt zu sein: „Unsere Aufgabe ist es, die zu werden, die wir immer schon sind: Kirche Jesu Christi. Eine welt- und zukunftsoffene Gemeinschaft mit einem freien Glauben. Eine Kirche, die nicht versucht, überall alles zu sein, aber: Salz der Erde und Licht der Welt. Eine Kirche, die mit ihren eigenen Ressourcen ebenso haushält wie mit der uns anvertrauten Schöpfung. Eine Kirche, die den Nöten unserer Gesellschaft begegnet, indem sie heilsam Gott zur Sprache bringt. Und eine Kirche, die sich selbst immer wieder davon überraschen lässt, was Gott noch Großes mit uns vorhat.“

Zur Person: Thorsten Latzel

Dr. Thorsten Latzel ist seit 2013 Direktor der Evangelischen Akademie Frankfurt, die 2017 umgebaut und neu aufgestellt wurde. Von 2005 bis 2012 hatte Latzel als Oberkirchenrat das Referat „Studien- und Planungsfragen“ im EKD-Kirchenamt inne und leitete das Projektbüro Reformprozess. Er war u. a. zuständig für die EKD-Kirchen-mitgliedschaftsuntersuchungen, die Reformzentren und Kirche in der Fläche. Davor war Latzel als Pfarrer in Erlensee-Langendiebach (Kurhessen-Waldeck) tätig. Aufgewachsen in Bad Laasphe, studierte er Theologie in Marburg und Heidelberg. Der 50-Jährige ist u. a. Mitglied der Bildungskammer der EKD. Im Blog „glauben-denken.de“ veröffentlicht er wöchentlich theologische Impulse. Thorsten Latzel ist verheiratet und hat drei Kinder.

Stichwort: Rheinische Präsides seit 1948

Erster Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland nach dem Zweiten Weltkrieg war Heinrich Held (1948 bis 1957). Auf ihn folgten: Joachim Beckmann (1958 bis 1971), Karl Immer (1971 bis 1981), Gerhard Brandt (1981 bis 1989), Peter Beier (1989 bis 1996), Manfred Kock (1997 bis 2003), Nikolaus Schneider (2003 bis 2013) und Manfred Rekowski (2013 bis 2020). Manfred Kock und Nikolaus Schneider waren zudem Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Die Evangelische Kirche im Rheinland erstreckt sich über Teile der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Hessen. Sie gliedert sich in 37 Kirchenkreise mit 655 Kirchengemeinden. Die rheinische Kirche hat rund 2,4 Millionen Mitglieder

Autor: Jens Peter Iven, Quelle: ekir.de

 

Online-Vortrag Daniela Tobias: Von Ohligs nach Auschwitz am 27. Januar 2021, 19:30 Uhr

Online-Vortrag Daniela Tobias: Von Ohligs nach Auschwitz – die schrittweise Entrechtung, Vertreibung und Vernichtung der jüdischen Händler*innen von der Düsseldorfer Straße, 27. Januar 2021, 19:30 Uhr

Am 27. Januar 2021 jährt sich zum 76. Mal die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz. In Deutschland wird der 27. Januar als gesetzlich verankerter „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ begangen – seit vielen Jahren auch mit Veranstaltungen der Evangelischen Kirche in Solingen. In diesem Jahr erinnern wir gemeinsam mit dem Max-Leven-Zentrum Solingen e.V an Opfer, die bis zu ihrer Deportation mitten in unserer Stadt lebten.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts waren die jüdischen Händlerinnen und Händler an der Düsseldorfer Straße fester Bestandteil des aufstrebenden Ohligser Zentrums. Manufakturwaren, Weißwaren, Spielwaren, Herrenmode und Stahlwaren gehörten zu ihrem Sortiment. Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurden sie am 1. April 1933 mit dem Boykott jüdischer Geschäfte sehr schnell zum Ziel der antisemitischen NS-Propaganda. Einige trafen rechtzeitig Vorkehrungen Deutschland zu verlassen, andere flohen nach der Pogromnacht 1938 mit ihrer letzten Habe, für manche war es schließlich zu spät. Sie wurden in den Osten deportiert und ermordet.

Der Vortrag von Daniela Tobias zeichnet die Eskalation der Verfolgung, die schwindenden Handlungsoptionen der Betroffenen und schließlich die Vernichtung jüdischen Lebens von der Düsseldorfer Straße nach.

Mehr Infos und die ZOOM-Zugangsdaten finden Sie hier: https://www.ekir.de/solingen/kirchenkreis/holocaustgedenktag2021-2202.php

Daniela Tobias ist Vorsitzende des Vereins „Bildungs- und Gedenkstätte Max-Leven-Zentrum Solingen e.V.“, der es sich unter anderemzur Aufgabe macht, die Erinnerung an die Solinger Opfer des Nationalsozialismus und des Holocaust wach zu halten. Dazu bereitet der Verein in Zusammenarbeit mit der Stadt Solingen und der Stadt-Sparkasse Solingen an der Max-Leven-Gasse eine Bildungs- und Gedenkstätte vor, die in den Räumen des noch zu errichtenden Sparkassen-Neubaus ihren Ort haben wird. Bis zur Eröffnung der dortigen Dauerausstellung und eines damit verbunden pädagogischen Programms zeigt der Verein die Ausstellung „Solingen im Nationalsozialismus“. Wegen der aktuellen Einschränkungen wird die Ausstellung zurzeit im Internet veröffentlicht. Der Evangelische Kirchenkreis Solingen ist Mitglied des Vereins.

 

Absage Vorbereitungsabende Weltgebetstag 2021

Liebe Weltgebetstagsmitfeiernde,

leider können die Vorbereitungsabende für den Weltgebetstag am 10. und 24. Februar nicht stattfinden. Wir haben in der Januar-Presbyteriums-sitzung beschlossen, dass wir mindestens bis zum 21.02. keine Präsenzgottesdienste feiern und auch alle anderen Veranstaltungen im Gemeindezentrum absagen.

Der Gottesdienst am 05.03.2021 findet entweder als Video-Stream oder Zoom-Gottesdienst alternativ in kleiner Besetzung vor Ort zusammen mit Gräfrath statt. Details hierzu veröffentliche ich hier, sobald diese feststehen.

Rückfragen gerne an mich unter Nicola.Henkel@ekir.de

Ihre

Nicola Henkel

Hier noch das Titelbild und Infos zu Vanuatu.

WGT Länderfolder Vanuatu

Worauf bauen wir?

2021 kommt der Weltgebetstag von Frauen des pazifischen Inselstaats Vanuatu.

Felsenfester Grund für alles Handeln sollten Jesu Worte sein. Dazu wollen die Frauen aus Vanuatu in ihrem Gottesdienst zum Weltgebetstag 2021 ermutigen. „Worauf bauen wir?“, ist das Motto des Weltgebetstags aus Vanuatu, in dessen Mittelpunkt der Bibeltext aus Matthäus 7, 24 bis 27 stehen wird. Denn nur das Haus, das auf festem Grund stehe, würden Stürme nicht einreißen, heißt es in der Bibelstelle bei Matthäus. Dabei gilt es Hören und Handeln in Einklang zu bringen: „Wo wir Gottes Wort hören und danach handeln, wird das Reich Gottes Wirklichkeit. Wo wir uns daran orientieren, haben wir ein festes Fundament – wie der kluge Mensch im biblischen Text. Unser Handeln ist entscheidend“, sagen die Frauen in ihrem Gottesdienst.

Ein Ansatz, der in Vanuatu in Bezug auf den Klimawandel bereits verfolgt wird. Denn die 83 Inseln im pazifischen Ozean sind vom Klimawandel betroffen, wie kein anderes Land, und das, obwohl es keine Industrienation ist und auch sonst kaum CO2 ausstößt. Die steigenden Wassertemperaturen gefährden Fische und Korallen. Durch deren Absterben treffen die Wellen mit voller Wucht auf die Inseln und tragen sie Stück für Stück ab. Stei­gende Temperaturen und veränderte Regenmuster lassen Früchte nicht mehr so wachsen wie früher. Zudem steigt nicht nur der Meeresspiegel, sondern auch die tropischen Wirbel­stürme werden stärker. So zerstörte zum Beispiel 2015 der Zyklon Pam einen Großteil der Inseln, 24 Menschen starben im Zusammenhang mit dem Wirbelsturm. Um dem entgegenzuwirken, gilt seit zwei Jahren in Vanuatu ein rigoroses Plastikverbot. Die Nutzung von Einwegplastiktüten, Trinkhalmen und Styropor ist verboten. Wer dagegen verstößt muss mit einer Strafe von bis zu 900 Dollar rechnen.

Keine Frau im Parlament

Doch nicht alles in dem Land ist so vorbildlich. So sitzt im vanuatuischen Parlament keine einzige Frau, obwohl sich 15 im Jahr 2020 zur Wahl stellten. Frauen sollen sich „lediglich“ um das Essen, die Kinder und die Pflege der Seniorinnen und Senioren kümmern. Auf sogenannten Mammas-Märkten ver­kaufen viele Frauen das, was sie erwirtschaften können: Gemüse, Obst, gekochtes Essen und einfache Näharbeiten. So tragen sie einen Großteil zum Familieneinkommen bei. Die Entscheidungen treffen die Männer, denen sich Frauen traditionell unterordnen müssen. Machen Frauen das nicht, drohen ihnen auch Schläge. Das belegt die einzige Studie über Gewalt gegen Frauen in Vanuatu, die 2011 durchgeführt wurde: 60 Prozent der befragten 2.300 Frauen gaben demnach an, dass ihr Mann schon einmal ge­walttätig geworden sei.

Mit seiner Projektarbeit unterstützt der Weltgebetstag Frauen und Mädchen weltweit: Zum Beispiel im pazifischen Raum, auch auf Vanuatu. Dort lernen Frauen sich über Medien eine Stimme zu verschaffen, damit ihre Sichtweisen und Probleme wahrgenommen werden. Oder in Indonesien, wo Frauen neben ökologischem Landbau lernen, welche Rechte sie haben und wie sie um deren Einhaltung kämpfen.

Der Weltgebetstag

Über Länder- und Konfessionsgrenzen hinweg engagieren sich Frauen seit über 100 Jahren für den Weltgebetstag und machen sich stark für die Rechte von Frauen und Mädchen in Kirche und Gesellschaft. Alleine in Deutschland werden rund um den 5. März 2021 hunderttausende Menschen die Gottesdienste und Veranstaltungen besuchen. Mehr Informationen und Quelle für die Infos und Bilder: www.weltgebetstag.de

Abend der Begenung

Liebe Gemeindemitglieder, liebe Freunde,

ich lade Sie herzlich ein zum Ketzberger “Abend der Begegnung” am Dienstag, 19.1.2021, von 19.00 bis 20.00 Uhr. Wir treffen uns in einer Video-Konferenz, der Sie (ab 18.30 Uhr) über diesen Link beitreten können:

https://meetme.ekir.de/KetzbergAbendderBegegnung

Voraussetzung ist ein Smartphone, Tablet, Laptop oder PC mit Internetverbindung, am besten auch mit Kamera und Mikrophon.

Mein Anliegen ist, tatsächlich Begegnungen zu erleben: wir können uns in der Video-Konferenz unterhalten wie in einer Gesprächsrunde.

Ich zeige Ihnen an dem Abend ein Bild einer chilenischen Künstlerin unserer Tage, das mich sehr anspricht. Das Kunstwerk regt zu Beobachtungen und zum Austausch an und wird Ihnen hoffentlich auch gut gefallen.

Nach etwa einer Stunde beenden wir die Video-Konferenz mit dem Segen und Verabredungen für weitere “Abende der Begegnung”, wenn Sie mögen.

Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie dabei sind!

Sie können diese Ankündigung gern weiterleiten an alle, die sich dafür interessieren könnten!

Pfarrer Christof Bleckmann

Tersteegenstr. 52
42653 Solingen
Tel. 0212-51112
Mobil: 0157 3066 73 01
E-Mail: christof.bleckmann@ekir.de

Jahreslosung 2021

Auslegung der Jahreslosung 2021

Gespräche im Geschwisterkreis über die Eltern können sehr aufschlussreich sein. Erstaunlich, wie unterschiedlich Vater und Mutter von ihren Kindern wahrgenommen werden. Manches bricht erst nach dem Tod eines Elternteils auf. Da können Sätze fallen wie: „Redest du gerade von unserem Vater? Habe ich da was verpasst oder du was verdrängt?“ Oder: „Ich werde es nie vergessen, wie Papa mich in meiner schwierigen Phase nicht fallen ließ!“
Nicht weniger spannend können Gespräche darüber sein, welche Rolle Gott in unserem Leben spielt. Gerade in Krisenzeiten kommt an die Oberfläche, wer Gott für uns ist: Fühlt er mit oder lässt ihn menschliches Elend unberührt? Hat er das Sagen in unserer Welt oder überlässt er das ihren Mächtigen? Ist er gerecht oder ungerecht, allmächtig oder hilflos, herzlos oder barmherzig?
„Gott ist barmherzig“, behauptet Jesus ungeachtet aller Fragen und Vorstellungen seiner Zuhörerinnen und Zuhörer, wenn er sie auffordert:

„Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.“

Viele Menschen sind unterwegs zu ihm. Manche haben hautnah erlebt, wie Jesus sich ausgerechnet ihnen zuwendet, wo sie doch sonst zu denen am Rande, zu den Ausgestoßenen zählen – gerade aus Sicht der Frommen und ihrer religiösen Führer. Die Zahl der Menschen um Jesus wird immer größer. Die einen halten etwas Abstand, die anderen sind ganz dicht dabei. So auch seine zwölf Jünger, die er gerade erst aus ihrem bisherigen Leben heraus- und in seine Nachfolge hineingerufen hat. Jesus lädt sie ein, ihr Leben verändern zu lassen:

„Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.“

Der Arzt Lukas erzählt in seinem Evangelium die meisten Heilungsgeschichten. Er richtet seinen Blick nicht auf die Mächtigen, sondern auf die kleinen Leute, die Schwachen und Beladenen: auf Kranke, Hirten, Huren, Witwen, Waisen, auf die „Zöllner und Sünder“. Ihr Leid geht Jesus ans Herz und treibt ihn an Orte, die alle anderen meiden. Er ist da, wo die Starken den von Gott gesandten Messias niemals suchen würden.
Das begann schon mit seiner Geburt. Die Künstlerin Stefanie Bahlinger wählt einfaches Sackleinen als Untergrund ihrer Grafik, in deren Mitte ein kleines von warmem Rot umgebenes Kind liegt – ein Hinweis auf die ursprüngliche Bedeutung von „Barmherzigkeit“: Gebärmutter, Mutterleib. In diesem Kind kommt Gott selbst zur Welt, in die Niederungen seiner geliebten Schöpfung. Angedeutet durch einen Ausschnitt des Erdenrunds dahinter. Genau dieses Motiv des heruntergekommenen Gottes wählt die Künstlerin zur Illustration seiner „Ureigenschaft“, seiner Barmherzigkeit. In Jesus wird sie greifbar, macht Gott sich angreifbar. So ist das von warmem Gelbgold umstrahlte göttliche Kind schon gezeichnet durch das Kreuz.

Wer Jesus begegnet, erfährt Heil und Rettung im Hier und Jetzt. „Und alle Menschen werden den Heiland Gottes sehen“, so kündigt Johannes der Täufer Jesus an (Lukas 3,6).
Gott liebt und erbarmt sich seiner Menschenkinder. Er sucht Verlorene und feiert Freudenfeste für Gefundene. Jesus zitiert in der Synagoge von Nazareth das Prophetenwort aus Jesaja 61,1-2 und weiß es in seiner Person erfüllt: „Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er mich gesalbt hat und gesandt, zu verkündigen das Evangelium den Armen, zu predigen den Gefangenen, dass sie frei sein sollen, und den Blinden, dass sie sehen sollen, und die Zerschlagenen zu entlassen in die Freiheit und zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.“ (Lukas 4, 18. 19)
Die Jesusgeschichte deutet der Evangelist Lukas als Fortsetzung der Geschichte Gottes mit Israel. Gottes Heilsgeschichte kann durch nichts und niemanden aufgehalten werden. Alle, die Jesus nachfolgen, sind Teil dieser Geschichte und sind dazu aufgerufen, sein Reich mitzugestalten. Wie kann das geschehen?

„Seid barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.“

Egal wie andere leben: „Seid barmherzig!“ Nicht am Verhalten anderer sollen wir uns orientieren. Auch nicht daran, was für uns selbst dabei herausspringt. Maßgeblich ist allein Gottes leidenschaftliche Barmherzigkeit, die uns durch seine Gnade und Treue „unverdient“ widerfährt.
Ist es nicht anmaßend, diesem hohen Anspruch Jesu genügen zu wollen? Mit reinem Gutmenschentum komme ich da schnell an meine Grenzen. Mein Staunen über Jesu vorbildliche Taten und Worte bringen mich auch nicht weiter. Mich beeindruckt in der Grafik die Dynamik, die von dem rundum geborgenen Kind ausgeht. Im Bauhausstil aneinandergefügte warmtonige Flächen breiten sich aus und bilden einen schützenden Raum. Mit den Rot- und Orangetönen nimmt die Künstlerin die bereits über dem Kind lodernde Flamme des Heiligen Geistes auf. Der bewegt seit Pfingsten Menschen über Generationen hinweg, sein Reich zu bauen, sein heilsames Evangelium in Wort und Tag zu verkündigen. Durchaus facetten- und stilreich in ihrer jeweiligen Zeit. Warmweiß leuchtet sein Reich schon im Hintergrund auf.
In der unteren linken Bildhälfte zeichnen sich unklare, wirre Linien ab, die nach oben hin stärker werden. In der rechten Bildhälfte ziehen sich klare weiße Linien von unten nach oben durch und bilden zusammen mit den schwachen Linien der anderen Seite den Spitzbogen eines gotischen Fensters. Auf der linken Seite scheint das Fenster verletzt, auf der rechten nahezu unversehrt, in der Mitte heil zu sein. Doch das Kreuz auf dem Körper des Kindes weist schon auf sein Leiden und Sterben hin und erinnert an sein Wort: „Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, der wird leben in Ewigkeit. Und das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch – für das Leben der Welt.“ (Johannes 6, 51). Sein Blut, Zeichen seiner Liebe zu uns, durchdringt und verändert die Erde.
In der Grafik steckt keine sichtbare Aktion. Sie strahlt vielmehr die unzerstörbare, weltverändernde Kraft der Barmherzigkeit Gottes aus, an der auch seine Kinder teilhaben und die sie verändert. Sie verändert auch mich und hilft mir dabei, auch mit mir selbst barmherzig zu sein. Nichts muss ich geben, was mir nicht selbst geschenkt ist.

„Seid, werdet barmherzig, wie euer Vater barmherzig ist.“

Nur deshalb ist Jesu Ruf keine Überforderung. Weil mir in Jesus Gottes Barmherzigkeit begegnet, kann ich es auch aushalten, dass ich so Vieles von Gott nicht verstehe. Wie gut, dass auch ER mich mit meinen Fragen und Zweifeln aushält und ich ihn Vater nennen darf. Sein Herz schlägt nun einmal für seine Kinder, besonders für die Kleinen und Schwachen. Bei ihm bin ich geborgen und gehalten wie der Säugling in der Grafik.
Er gebraucht meine unsicheren und zaghaften „Linien“ und bestärkt und vollendet sie wie im strahlend weißen Bogen der Grafik. Ihm ist auch mein persönliches Lebenshaus, als Umriss von der Künstlerin leicht skizziert, nicht zu klein, um darin Wohnung zu nehmen und sie zu gestalten.
Mein Gebet ist es, dass seine Nähe und Liebe mich verändern und zu einem barmherzigen Menschen machen. Dass ER mich korrigiert, wo ich, bewusst oder unbewusst, mich selbst oder andere zum Maßstab meines Handelns mache. Gott schenke mir Beherztheit, da wach und präsent zu sein, wo ich gefordert bin. Ohne krampfhaften Druck, die Welt, und sei es auch nur meine kleine Welt, retten zu müssen. Es darf mich jedoch nicht länger kalt lassen, wenn jemand ins Abseits gerät, egal aus welchem Grund. „Die ist für mich gestorben!“, gilt nicht mehr. Ich bin gefragt und möchte immer wieder neu erkennen, wann, wo und wie ich „Nächste“ sein kann.

Längst nicht immer sind Kinder erfreut und ermutigt durch den Ausruf: „Ganz der Vater!“ In diesem Fall schon.


Quelle:Verlag am Birnbach – Motiv von Stefanie Bahlinger, Mössingen
Auslegungstext: Renate Karnstein