500 Jahre Bibelübersetzung

Das Jahr 1521 war von großer Bedeutung, nicht nur für die Kirche, sondern auch für die deutsche Sprache, Literatur und Kultur. In diesem Jahr begann Martin Luther mit seiner Übersetzung der Heiligen Schrift ins Deutsche. Luther war überzeugt von der Idee einer Übersetzung für die Bedürfnisse der einfachen, weniger gebildeten Menschen seiner Zeit, die zu den lateinischen Texten keinen Zugang hatten. Eine Bibel für das ganze Volk wollte er durch seine Übersetzungsarbeit stiften. Luthers Bibelübersetzung hat bedeutsame Spuren nicht nur in der deutschen Sprache hinterlassen, sondern seine Bibelübersetzung hat ermöglicht, dass einfache Menschen sich ermächtigt mit dem biblischen Inhalt auseinandersetzen konnten und können. Was vor 500 Jahren auf der Wartburg einen Anfang nahm, verdient bis heute Erinnerung und braucht Aktualisierung. Denn nicht nur Sprache verändert sich, sondern auch der Zugang zu und der Umgang mit den Themen unserer Zeit erneuert sich stetig.

Poster „500 Jahre Bibelübersetzung“

Luthers Übersetzung der Bibel ins Deutsche ist ein Meilenstein der Verbreitungs- und Wirkungsgeschichte der Bibel insbesondere im deutschen Sprachraum. Um einen Zugang zur Entstehungs-, Verbreitungs- und Wirkungsgeschichte des weltweit bekanntesten Buches zu ermöglichen, ist das Poster „Ein Buch verändert die Welt“ entstanden. Auf der Vorderseite wird ein knapper Einblick in die Entstehung und Verbreitung der Bibel von der ersten Verschriftlichung bis zum aktuellen Stand der weltweiten Übersetzungsarbeit ermöglicht. Rückseitig wird die Wirkungsgeschichte der Bibel thematisiert und ein Zugang zu aktueller Bibelübersetzungsarbeit am Beispiel der BasisBibel angeboten. Die Inhalte ermöglichen einen abwechslungsreichen Blick auf das Thema des Jubiläumsjahres Bibelübersetzung.

Das Poster ist in einer Kooperation zwischen dem Kulturbüro der EKD, der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt, der Kirchenzeitung „Glaube und Heimat“, der Internationalen Martin Luther Stiftung und der Deutschen Bibelgesellschaft entstanden.

Quelle: Deutsche Bibelgesellschaft

Weltökumene-Gipfel endet mit Appell für mehr Klimaschutz

Bedford-Strohm zum Vorsitzenden des ÖRK-Zentralausschusses gewählt

Mit Forderungen nach mehr Klimagerechtigkeit und Appellen zur Beendigung des Ukraine-Krieges ist die Weltkirchenkonferenz in Karlsruhe zu Ende gegangen. Landesbischof Bedford-Strohm wurde zum Vorsitzenden des ÖRK-Zentralausschusses gewählt.

Teilnehmer*innen der Abschlussveranstaltung ÖRK Karlsruhe
Deligierte Christinnen und Christen nehmen am 08.09.2022 in Karlsruhe am Abschlussgottesdienst der 11. Vollversammlung des Oekumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) teil. Auf der neuntägigen ÖRK-Vollversammlung, die nur alle acht Jahre stattfindet, trafen sich 655 De​legierte und mehr als 2.000 weitere Teilnehmer aus allen Regionen der Welt zum Thema „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“.

Karlsruhe (epd). Der internationale Ökumene-Gipfel des Weltkirchenrates in Karlsruhe hat die Staatengemeinschaft zu mehr Klimaschutz aufgerufen. Mit einem Appell zur „Heilung des Planeten“ ist die 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) am Donnerstag zu Ende gegangen. In der Abschlussbotschaft wurde zum gemeinsamen Handeln gegen Krieg, vermeidbare Krankheiten, Klimawandel und Hunger aufgerufen. Beim umstrittenen Thema Israel-Palästina-Konflikt einigten sich die rund 650 Delegierten auf einen Kompromiss.

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm wurde am Donnerstag zum Vorsitzenden des ÖRK-Zentralausschusses gewählt. Der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) folgt damit Agnes Aboum von der Anglikanischen Kirche von Kenia. Bedford-Strohm ist der erste Deutsche in dieser Funktion. Seine „große Stärke ist es, Menschen miteinander zu verbinden“, sagte die amtierende EKD-Ratsvorsitzende, die westfälische Präses Annette Kurschus, in einem Gratulationsschreiben. Die Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, erklärte; „Ich weiß, dass Ökumene ein Herzensanliegen für ihn ist.“

Der 150-köpfige Zentralausschuss ist das höchste Leitungsgremium des ÖRK in der Zeit zwischen den alle acht Jahre stattfindenden Vollversammlungen. Der Zentralausschuss wählte laut ÖRK auch zwei stellvertretende Vorsitzende: Merlyn Hyde Riley von der Jamaica Baptist Union und Erzbischof Vicken Aykazian von der Armenischen Apostolischen Kirche.

Ein zentrales Thema der Tagung war der Ukraine-Konflikt. Zum Abschluss verurteilten die Delegierten den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine scharf. Krieg sei mit dem Wesen Gottes unvereinbar. Der Weltkirchenrat rief zum Abschluss auch zu einem gerechten Frieden im Nahen Osten auf: „Wir sind der Meinung, dass nur durch ein Ende der Besatzung und eine gerechte, umfassende und dauerhafte Friedensregelung die Sicherheit sowohl der Palästinenser als auch der Israelis gewährleistet werden kann“, heißt es in einer verabschiedeten Erklärung.

Zum Klimawandel hieß es, Politik und Gesellschaft müsse dem Klimanotstand in Wort und Tat Priorität einräumen. Zudem sei eine größere Solidarität und Gerechtigkeit mit denjenigen Menschen nötig, die am stärksten unter der Klimazerstörung leiden. „Wir müssen von unserem fortgesetzten menschlichen Egoismus umkehren“, heißt es einer Erklärung.

In dem Statement wird von Politik und Gesellschaft ein schnellerer Übergang zu erneuerbaren Energiequellen gefordert, eine Reduzierung der Emissionen, der Schutz der Ökosysteme sowie das „Menschenrecht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt“. Besonders indigene Völker seien mit den direkten Folgen des Klimawandels konfrontiert.

Die 11. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) endete am Donnerstagnachmittag. Auf der neuntägigen Versammlung trafen sich die Delegierten und mehr als 2.000 weitere Teilnehmer aus allen Regionen der Welt zum Thema „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“. Der Weltkirchenrat repräsentiert rund 580 Millionen Christen, die römisch-katholische Kirche ist nicht Mitglied.

Logo ÖRK-Vollversammlung Karlsruhe

11. Vollversammlung des ÖRK in Karlsruhe

Solinger Kaufhaus: Nachhaltig – sozial – helfend

Über dem Eingang leuchtet das blaue Logo der Diakonie. In den Räumen des ehemaligen Möbelhauses Schmidt befindet sich heute nicht weit von der Solinger Innenstadt nahe der großen Kreuzung am Schlagbaum ein besonderes Warenhaus. Auf einer Fläche von 3.000 Quadratmetern über vier Etagen präsentiert das „Solinger Kaufhaus“ (kurz: SOKA) ein reichhaltiges Angebot von Textilien, Schuhen und Spielwaren über Hausrat- und Baumarktartikel bis zu Medien, Elektrogeräten und Möbeln zum Verkauf. Das Besondere: Alle Waren hatten schon einmal andere BesitzerInnen. Weil sie von diesen nicht mehr benötigt wurden, gingen sie als Spende an das Soka. Hier wurden sie geprüft und sortiert und kamen dann wieder in den Verkauf.

Nachhaltigkeit liegt im Trend. Das „Solinger Kaufhaus“ leistet dazu einen wichtigen Beitrag. Artikel, die noch in einem guten und gebrauchsfähigen Zustand sind, werden im SOKA davor bewahrt, unnötig und viel zu früh entsorgt zu werden. Warum sollte ein Kleidungsstück, obwohl kaum getragen, in die Mülltonne – statt einfach nur den Besitzer oder die Besitzerin zu wechseln?

Gleichzeitig erfüllt das SOKA eine wichtige soziale Funktion für unsere Stadt: Hier können alle BürgerInnen zum kleinen Preis einkaufen. Gerade in Zeiten, in denen die Preise überall steigen, wird so ein Angebot immer wichtiger. Bedürftige mit einem Solingen Pass erhalten zusätzlich 20 Prozent Nachlass auf alle Preise. Wenn die Kaffeemaschine kaputt geht oder die Kinder wieder einmal aus den Sachen herausgewachsen sind, gibt es im SOKA ein Angebot, das kein Riesenloch in die Haushaltskasse reißt.

Schließlich ist das Sozialkaufhaus ein wichtiger Arbeitgeber für knapp 70 Menschen. Zehn festangestellte Mitarbeitende – SozialpädagogInnen, AusbilderInnen und AnleiterInnen – bilden 20 junge Leute in den Bereichen Verkauf und Lager aus. Außerdem führen sie aktuell 38 jugendliche und erwachsene Menschen in Arbeitslosigkeit wieder an den regulären Arbeitsmarkt heran und helfen ihnen zurück auf den Weg in ein selbstbestimmtes Leben. Ihre helfenden Hände transportieren, lagern ein, montieren, dekorieren und verkaufen. Dabei erlernen sie wichtige Fähigkeiten für den Arbeitsmarkt. Die gemeinnützige Gabe GmbH als zertifizierter Bildungsträger und Initiatorin des SOKA unterstützt und begleitet sie dabei.

Nachhaltig – sozial – helfend: Seit 15 Jahren erfüllt das „Solinger Kaufhaus“ unter dem Dach der Diakonie gleich drei wichtige Aufgaben in unserer Stadt. Unterstützen Sie das SOKA und werden Sie Teil dieses wichtigen Projekts: Spenden Sie gut erhaltene Dinge, die Sie nicht mehr benötigen, die andere aber noch nutzen können! Testen Sie das Angebot des SOKA und kaufen Sie gute Dinge zum kleinen Preis!

INFO
Das „Solinger Kaufhaus“ finden Sie direkt neben dem Porsche-Zentrum:
Schlagbaumer Str. 12, 42653 Solingen. Vor der Tür halten die Buslinien 682, 683, 692 und 695. Tel.: 0212 / 2 31 34 44 75, Mail: soka@gabe-ggmbh.de

Das SoKa ist angegliedert an die Gabe gGmbH – gemeinnützige Gesellschaft für Arbeit und Ausbildung im Bergischen Land, einer Tochtergesellschaft der Jugendberufshilfe und Sozialarbeit e.V. Solingen. Es ist Mitglied des Diakonischen Werks.

Kaufen
Das Kaufhaus ist geöffnet montags bis freitags zwischen 9.30 und 18.00 Uhr sowie samstags zwischen 9.30 und 16.00 Uhr.

Spenden
Kleine Mengen gut erhaltener Dinge, die Sie spenden möchten, können Sie montags bis freitags zwischen 9.30 und 17.30 Uhr direkt auf der Rückseite des Gebäudes abgeben. Für größere Spenden wie Möbel etc. kontaktieren Sie bitte den Leiter Sören Jakobs (Tel.: 0212 / 5 99 01 22). Er und sein Team stehen Ihnen jederzeit für Fragen, Rücksprachen und Hilfen zur Verfügung.

Predigt von Pfarrer Thomas Förster zu: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“

Gehalten im Gottesdienst am 03.07.2022, Bibelzitat aus Johannes 14, 6

Die Gnade unsers Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen. Amen.

Liebe Schwestern und Brüder,

das Wort Jesu, das im Mittelpunkt dieses Gottesdienstes stehen soll, hat in meiner theologischen Entwicklung eine besondere Rolle gespielt:

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Es ist das sechste der so genannten „Ich bin-Worte“, die das Johannesevangelium von Jesus überliefert hat.

„Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Als junger Theologiestudent hat mich dieses Wort besonders umgetrieben. Denn: Mir lag doch besonders das Ergehen der jüdischen Menschen am Herzen. Schon als Jugendlicher hatte ich mich intensiv mit der Shoah, dem monströsen Verbrechen des nationalsozialistischen Deutschlands an den jüdischen Menschen, auseinandergesetzt. Und ich spürte daher eine besondere Sympathie und eine besondere Verantwortung für eine Atmosphäre, in der jüdische Menschen nicht mehr ausgegrenzt werden. Und eben da bereitete mir unser heutiges Jesus-Wort erhebliches Kopfzerbrechen. Denn der jüdische Glaube kannte ja ausdrücklich Jesus Christus als den Weg, als die Wahrheit, als das Leben und als einzigen Weg zu Gott nicht an. Hieß das nicht auch, so fragte ich mich, dass jüdische Menschen auch hier ausgegrenzt sind vom rechten Weg zu Gott? Ausgegrenzt vom Heil? Und bedeutete die besondere Verantwortung, die ich für sie spürte, nicht, sie von ihrem vermeintlich falschen Weg abzubringen? Sie zu gewinnen für den Weg Jesu, für den christlichen Glauben, dass der Messias schon da war? Und dass es dieser Jesus, der gekreuzigte und auferstandene, ist, auf dessen Ankunft wir warten? Aber andererseits: War das nicht gerade die Geringschätzung des jüdischen Glaubens, die es nie wieder geben sollte? Müsste das zu Ende gedacht nicht bedeuten, dass um der Menschen selbst und um ihres Heils willen aus Jüdinnen und Juden Christinnen und Christen werden sollten? Aber durfte ich so überhaupt denken – im Angesicht der Shoah?

Quelle: www.gemeindebrief.de

Liebe Schwestern und Brüder,

das war Ende der 1980er Jahre. Ich war junger Theologiestudent. Und ich weiß noch, wie sehr mich diese Fragen damals umgetrieben haben. „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Dieses Ich bin-Wort Jesu war zu einer riesigen Herausforderung geworden auf meinem Weg als junger Theologe. Das ist jetzt mehr als 30 Jahre her. Aber die grundsätzliche Frage stellt sich ja noch immer. Und nicht nur in unserem Verhältnis zu Menschen jüdischen Glaubens, sondern in unserem Land heute viel häufiger noch im Gespräch mit muslimischen Menschen. Wenn es nur einen richtigen Weg gibt, dann müssten doch alle anderen falsch sein. „Niemand kommt zum Vater außer durch mich.“ Also müssten dann nicht alle anderen um ihrer selbst willen bekehrt werden? Trägt unser Glaube also einen Absolutheitsanspruch in sich, der keinen anderen Glauben duldet?

Liebe Schwestern und Brüder,

um es klar zu sagen: Nein! Ich bin fest davon überzeugt, dass unser Glaube nicht von uns fordert, allen, die etwas anderes glauben, zu sagen, dass sie auf dem Holzweg sind. Im Gegenteil. Jesus selbst hat ja immer wieder mit größtem Respekt von Menschen und mit Menschen anderen Glaubens gesprochen. Der entscheidende Punkt liegt für mich aber darin: Wir müssen uns nicht Gottes Kopf zerbrechen! Die Frage, wen Gott zum Heil führt, wen er am Ende liebevoll anblickt und wen vielleicht nicht, haben wir nicht zu beantworten. „In meines Vaters Haus gibt es viele Wohnungen“, sagt Jesus. Das macht Hoffnung – für uns und für andere.

Es gibt darum keinen Grund, in falschen Fundamentalismus zu verfallen. Jesus fordert uns nicht auf, Menschen mit anderem Glauben abzuwerten oder darüber zu belehren, dass sie auf dem falschen Weg sind. Die Verantwortung dafür, welcher Glaube sich am Ende als wahr erweisen wird, können wir Gott überlassen.

„Ich bin der Weg“, sagt Jesus in unserem Bibelwort. Im Johannesevangelium gehört dieser Text zu den so genannten Abschiedsreden Jesu an seine Freundinnen und Freunde. Jesus ist schon in Jerusalem. Sein Blick richtet sich bereits auf das, was ihm bevorsteht: auf das Kreuz. Der Weg, von dem er spricht, ist der Weg des Kreuzes. Und dieser Weg ist eben das Gegenteil von überheblichem Auftrumpfen. Das Kreuz Jesu bedeutet selbstgewählte Zurückhaltung statt Überheblichkeit, Vertrauen auf Gottes Beharrlichkeit statt auf eigene Stärke, Liebe zu Gott und den Nächsten statt Verliebtsein in sich selbst und in die eigenen Standpunkte. Ein Weg, der das Kreuz Jesu in den Mittelpunkt stellen will, kann niemals die eigene Position verabsolutieren. Sondern er wird auf Gott vertrauen: darauf, dass seine Liebe sich am Ende als stärker erweisen wird als alle falschen Mächte und Gewalten und Irrtümer und Lügen.

Für uns geht es auf dem Weg Jesu darum, von dem zu erzählen, woran wir glauben und was wir für wahr halten. Ohne Menschen anderen Glaubens abzuwerten oder auszugrenzen. Wer erzählt, welcher Glaube dem eigenen Leben festen Grund und Orientierung gibt, wertet anderen Glauben dadurch nicht ab. Schon gar nicht, wenn man dann auch ehrlich interessiert nach dem Glauben des anderen oder der anderen fragt: nach der Wahrheit der anderen. Und wenn man mit den anderen die Lust daran teilt, Gemeinsamkeiten zu entdecken, aber auch Einzelheiten der eigenen Wahrheit klarer zu erkennen.

Der Weg Jesu ist der Weg des Dialogs. Jesus hat diesen Dialog oft genug gepflegt. Wenn er mit anderen sprach, dann ging es immer wieder um die Wahrheit. Und er selbst hat mit dem, was er als wahr erkannt hatte, wirklich nicht hinter dem Berg gehalten. Aber er hat sich eben immer auch für sein Gegenüber interessiert: „Was glaubst Du? Was willst Du?“

In diesem Dialog kann dann Leben wachsen. Nämlich als Zusammenleben. Wir sind ja von Gott nicht als isolierte Einzelwesen gedacht, sondern als Menschen in Beziehung. In Beziehung zu ihm und zueinander. Und der Dialog auf dem Wege Jesu ist ein Mittel, um Leben als Zusammenleben zu fördern.

Ein evangelischer Theologe, Wilfried Härle, hat einmal formuliert, dass das Zusammenleben mit anderen Glaubensüberzeugungen oder Lebenskonzepten gelingen kann, wenn zwei Regeln gleichermaßen beachtet werden.

Quelle: www.gemeindebrief.de

Erste Regel: Das eigene Wahrheitsbewusstsein besitzt unbedingte Geltung!

Und die zweite Regel: Die fremden Wahrheitsansprüche verdienen unbedingte Achtung!

Also: Was für mich glasklar und fundamental ist, bleibt glasklar und fundamental auch im Gespräch mit anderen. Aber: Ich respektiere gleichzeitig, dass genau das auch für mein Gegenüber gilt und das dessen Verständnis von Wahrheit darum auch zu achten ist.

Klarheit in der eigenen Position und gleichzeitig absoluter Respekt vor der Haltung des anderen kennzeichnen solchen echten Dialog. Das in der Praxis unseres Zusammenlebens besser einzuüben, wäre doch eine Aufgabe für uns als Gemeinde in einer Gesellschaft, in der es immer mehr Respektlosigkeiten zu geben scheint. Und es würde sich nicht nur auf fremde Religionen beziehen, sondern auf alle Menschen, die unterschiedlich glauben, lieben oder leben.

In einem solchen Dialog brauche ich dem oder der anderen meinen Glauben und meine Sicht der Dinge nicht vorzuenthalten. Aber ich kann dem anderen Menschen auch seine eigene Wahrheit zugestehen. Denn ich weiß, dass letztlich nicht ich dafür verantwortlich bin, ihn auf den rechten Weg des Heils zu bringen. Diese Verantwortung kann ich getrost Gott überlassen. Dafür besteht meine Mitverantwortung darin, gut mit anderen zusammenzuleben.

Liebe Schwestern und Brüder, in diesem Sommer stehen die „Ich bin“-Worte im Mittelpunkt Ihrer Gottesdienste. Die „Ich bin“-Worte Jesu. Es geht aber auch um unsere eigenen „Ich bin“-Worte. Zu sagen, wer wir sind, was wir glauben und für wahr halten, was unserem Leben festen Boden und Orientierung gibt, ist wichtig und gehört zum Weg Jesu dazu. Gutes Zusammenleben wird wachsen, wenn wir den anderen unsere „Ich bin“-Worte nicht vorenthalten. Und wenn wir sie gleichzeitig spüren lassen, dass wir auch an ihren „Ich bin“-Worten ehrlich interessiert sind. Amen.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alles, was wir verstehen und begreifen, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus. Amen.

Sommerpredigtreihe 2022

Sommerpredigtreihe zu den Ich-bin-Worten Jesu

Auch in diesem Jahr laden unsere Gemeinden Ketzberg und Gräfrath herzlich ein zu gemeinsamen Gottesdiensten in den Sommerferien. Sie finden jeweils um 10.30 Uhr statt:

Kirche in Ketzberg

26.06.: „Ich bin der Erste und der Letzte…“ Offenbarung 1,17f. Pfarrer Christof Bleckmann

03.07.: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben…!“ Johannes 14,6 Pfarrer Thomas Förster

10.07.: „Ich bin das Licht der Welt!“ Johannes 8,12  Pfarrer Christof Bleckmann

Kirche in Gräfrath

17.07.: „Ich bin die Tür, so jemand…..!“ Johannes 10,9 Diakonin Bärbel Albers

24.07.: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben!“ Johannes 15,5 Pfarrer Thomas Schorsch

31.07.: „Ich bin die Auferstehung und das Leben!“ Johannes 11,25 Prädikant Dr. Holger Ueberholz

07.08.: „Ich bin das Brot des Lebens.“ Johannes 6,35 Prädikantin Monika Ruhnau