Predigttext zu Abrahams Auszug (1. Mose 12, 1-4) vom 02.08.2020

Gnade sei mit uns und Friede, von dem, der da ist, und der da war, und der da kommt, von unserem Herrn und Heiland Jesus Christus. Amen

Liebe Gemeinde! In unserer diesjährigen gemeinsamen Sommerpredigtreihe in Gräfrath und Ketzberg beschäftigen wir uns im Sinne unserer Jahreslosung „ich glaube, hilf meinem Unglauben“ mit Texten, in denen es um Glauben und Vertrauen geht. Und dafür ist diese uralte Abrahamsgeschichte ein schönes

Beispiel. Ich lese 1. Mose 12, zunächst nur die Verse 1+2: „Und der Herr sprach zu Abraham: Geh aus deinem Vaterland und von deiner Verwandtschaft und aus deines Vaters Hause in ein Land, das ich dir zeigen will. Und ich will dich zu einem großen Volk machen und will dich segnen und dir einen großen Namen machen, und du sollst ein Segen sein.“

Wir merken sofort, liebe Gemeinde, unser Gott ist kein toter Gott, wie dies gerne die Atheisten behaupten, sondern unser biblischer Gott ist ein Gott, der plötzlich und unvermittelt eingreift in das Leben von Menschen, sie zu seinen Werkzeugen auserwählt und mit ihnen seine Heilsgeschichte beginnt. Dieser Gott erscheint uns hier sehr direkt und vielleicht auch aufdringlich. Er fragte ja nicht den Abraham, ob er überhaupt damit einverstanden sei, seinen ihm vertrauten Lebenskreis zu verlassen, sondern er forderte eigentlich recht streng und zielstrebig: „Geh aus deiner Heimat in ein unbekanntes Land, das ich dir zeigen will.“

Wir können, so glaube ich, sehr gut nachempfinden, welche Ungeheuerlichkeit Gott von Abraham verlangt hat, denn sein Imperativ bedeutete damals einen Abschied für immer und ein unkalkulierbares Risiko. Abraham und seine wenigen Getreuen mussten sich ohne Aussicht auf ein Wiedersehen von ihrer gewohnten häuslichen Geborgenheit trennen, und es gab nach ihrem Aufbruch unwiderruflich keinen Kontakt mehr mit der alten Heimat. In der Einsamkeit der Wüste klingelte damals kein Handy, auch keine SMS oder eine WhatsApp-Gruppe versüßte die beschwerliche Wanderung. Wer damals aufbrechen musste, der ging zunächst einmal in eine ungewisse Zukunft voller Gefahren. Er musste täglich um sein Überleben kämpfen mit Wegelagerern und wilden Tieren, mit Wasserknappheit und Heimweh nach der vertrauten Umgebung.

Liebe Gemeinde, am Beispiel des Abraham können wir auch heute lernen, dass jeder Mensch irgendwann einmal bereit sein muss, sein alltägliches geschütztes Umfeld in Elternhaus und Schule zu verlassen. Gerade nach dem Schulabschluss verlassen junge Menschen voller Tatendrang und Aufbruchsfreude ihre gewohnten, vielleicht auch ihre etwas monotonen und eingefahrenen Wege, um dann an anderer Stelle in Ausbildung und Studium ihren Erfahrungshorizont zu erweitern, neue Anforderungen zu bewältigen und andere Menschen kennen zu lernen. Solche Aufbrüche markieren einen entscheidenden Einschnitt im Leben der Jugendlichen, um endgültig erwachsen und selbstbestimmt zu werden. Wie wichtig auch Elternhaus und Schule sind, die uns früher gerade in unserer Kindheit und Jugend Liebe, Geborgenheit und sozialen Halt gaben und eine gewisse, auch eine geistige oder geistliche Lebenssicherheit vermittelten, so ist es jedoch für jeden Menschen unerlässlich, einmal aus diesen gewohnten Ursprungsbindungen aufzubrechen und selber volle Verantwortung für sich und auch für andere zu übernehmen.

Das Umherziehen des Abraham symbolisiert und exemplifiziert meines Erachtens in deutlicher Weise diese Grundbestimmung unseres Menschseins. Wir dürfen nicht statisch im Gestern verharren und uns ängstlich an liebgewordenen Konventionen festklammern, sondern wir müssen uns vertrauensvoll den neuen Fragen der Zukunft dynamisch öffnen. So können wir nicht nur auf alte Sicherheiten pochen, sondern müssen genau so wie Abraham bereit sein, aus den vertrauten und alt bekannten Wegen aufzubrechen und neue Kontakte zu suchen und zu knüpfen.

Die Tiefenpsychologin Maria Kassel sieht gerade in der Berufungsgeschichte des Abrahams ein spezifisches Zeichen dafür, wie generell ein Jugendlicher zu einem Erwachsenen wird. Sie meint, dass jeder erwachsen werdende Mensch den Aufbruch antreten muss aus seinen biologischen und naturhaften Bedingungen, die ihm zwar einen gewissen sicheren Platz im sozialen Gefüge gewähren, die aber auch die Entfaltung eigener schöpferischer Energien hemmen, die zwar festigen, aber auch festhalten, die Wärme spenden, aber auch einlullen und die individuelle Initiative zur Weiterentwicklung bremsen.

Ich finde, Frau Kassel hat sehr eindrucksvoll die Gegensätze zwischen den alten und den neuen Wegen herausgearbeitet. So ist zwar eine Festigung an sich schön und wichtig, aber die Gefahr besteht darin, dass diese Festigung mit einem Festhalten verbunden ist, das einzwängt und abschnürt und damit neue Aufbrüche und Erfahrungen behindert. Auch ist es gewiss wunderbar, wenn man die Geborgenheit und Wärme einer vertrauten Umgebung spürt, aber sie darf nicht dazu führen, dass man eingelullt wird und somit unfähig ist, sich frischen Wind um die Nase wehen zu lassen und aufzubrechen zu neuen Zielen und Herausforderungen. So müssen wir ja auch als Eltern lernen, ab einem gewissen Zeitpunkt unsere Kinder loszulassen und ihnen ermöglichen, ihre individuellen Erfahrungen zu sammeln und ein eigenes und ein selbstständiges Leben zu führen.

Ich hatte mal vor Jahren in einem Abiturgottesdienst über diese Verse zu predigen und sprach mit den jungen Menschen zuvor über ihre Zukunftspläne.

Ein Schüler antwortete mir: „Natürlich freue ich mich auf die Zeit nach dem Abi, aber es werden unvermeidbar auch alte Kontakte verloren gehen.“ So ist es also im Leben, liebe Gemeinde, Es gibt keinen wirklichen Aufbruch ohne den gleichzeitigen Abbruch von zwischenmenschlichen Beziehungen und persönlichen Bindungen, auch wenn dies oft schmerzlich ist.

Vers 2 macht aber deutlich, dass Gott nicht nur einen strengen Anspruch postuliert, in Unbekanntes aufzubrechen und Liebgewordenes abzubrechen, sondern auch einen enormen Zuspruch bereit hält. Gott verheißt nämlich dem Abraham, dass er zum Ahnherrn eines großen Volkes werden wird und von ihm den Segen empfangen wird.

Segen zeigte sich im Alten Testament zunächst im Sinne von physischer Fruchtbarkeit, also im Kinderreichtum. Denn Abraham, der ja zunächst nur Abram hieß, wurde, wie wir alle wissen, Vater eines großen Volkes und das bedeutete dann sein neuer Name Abraham. Für ihn haben sich alle Verheißungen Gottes erfüllt. Selbst heute nach über 3500 Jahren sprechen wir noch über ihn. Abraham als Gesegneter wurde sogar zum Stammvater aller drei großen monotheistischen Weltreligionen, des Judentums, Christentums und Islams.

Segen bedeutet jedoch noch viel mehr, liebe Gemeinde, nämlich individuelles Glück, gerade auch in harmonischen Lebensbeziehungen, Spaß und Freude an einer interessanten beruflichen Tätigkeit, die unseren vollen Einsatz fordert und uns Befriedigung schenkt. Vielleicht mag ich ja altmodisch sein: Beruf bedeutet für mich immer noch Berufung und damit Freude und Hingabe an meine Tätigkeit, und nicht nur Job, also etwas, was ich – vielleicht sogar ungern – tue, nur um dadurch meinen Lebensunterhalt zu verdienen. So bin ich Gott auch heute noch von Herzen dankbar, dass für mich meine Tätigkeit als Latein- bzw. Religionslehrer wirklich ein Beruf war, den ich gerne ausübte und der mich voll befriedigt und erfüllt hat. Der Segen ist natürlich auch mit Gesundheit und vor allem auch mit innerer Zufriedenheit und seelischer Ausgeglichenheit verbunden.

Vers 2 schließt aber nicht nur mit dieser Zusage eines gesegneten Lebens, sondern er enthält auch noch einen kräftigen Imperativ, einen wirklich ernst zu nehmenden Anspruch, der meines Erachtens für unser aller Leben gelten sollte. Gott ermahnte den Abraham: Du sollst ein Segen sein!

Wer von Gott gesegnet ist, der behält diesen Segen nicht nur egoistisch für sich. sondern der versucht in altruistischer Weise, anderen zum Segen zu werden, indem er sich tatkräftig für sie einsetzt und immer ein offenes Ohr für den Nächsten hat. Der biblische Segen hat also auch und gerade eine soziale und politische Dimension.

Wir können aber, wie einst Abraham, sicher sein, dass Gott uns begleiten will, wenn wir bereit sind, uns auf seine Führung einzulassen. Das bedeutet ja im biblischen Sinne zu glauben, nämlich Gott eine Chance zu geben und ihm die Möglichkeit zu eröffnen, eine entscheidende Rolle in unserem Leben zu spielen.

Im Religionsunterricht besprach ich gerne Texte von Heinz Zahrnt. Dieser 2003 verstorbene evangelische Theologe und bekannte Publizist bemühte sich in besonderer Weise, gerade kirchlich distanzierten Zeitgenossen auf intellektuelle Weise die biblische Botschaft etwas näher zu bringen. Zahrnt meinte in Bezug auf die Gottesfrage: „Welche Wahrheit ein Mensch auch wählt, er kommt nicht um die Zumutung herum, dass er sich auf etwas einlassen muss. Bei der Begegnung mit dem christlichen Glauben geht es nicht anders zu. Auch er bietet eine Lebensmöglichkeit an, die man nur erproben kann. Wer Gott erfahren will, muss – wie auch sonst im Leben- auf etwas setzen, was er vorher nicht weiß. Er muss glauben, denken und handeln, als ob es Gott gibt. Allein so wird er erfahren, ob es ihn gibt. Gott wohnt nur dort, wo man ihn einlässt.“

Liebe Gemeinde, Abraham hatte Gott vertraut, er hatte sich auf diesen unsichtbaren Gott eingelassen und diesen ungewöhnlichen und für die damalige Zeit sehr gefährlichen Exodus gewagt. Und auf seiner langen, beschwerlichen Lebenswanderschaft hatte er dann vielfältig erfahren, dass es Gott gibt.

Wie steht es mit uns, liebe Gemeinde? Warum lassen wir uns heutzutage so wenig auf diese Zumutung ein? Warum erproben wir nicht mal diese Möglichkeit, mit Gott zu leben? Warum rechnen wir kaum noch mit dem Eingreifen Gottes in unsere Zeit? Warum reden wir mit ihm viel zu wenig im Gebet?

Ich halte Zahrnts Ratschläge für sehr wichtig. Wir sollten auch im 21. Jahrhundert von der Realität Gottes ausgehen und ihn hineinlassen in unser Herz, hineinlassen in unser Denken, hineinlassen in unser Leben. Denn Gott will nur da wohnen, wo man ihn einlässt. Amen

Dr. Holger Ueberholz

Mehr Sitzplätze in Ketzberger Kirche!

Liebe Gemeindemitglieder,

ab sofort bieten wir 48 nummerierte Sitzplätze in der Ketzberger Kirche an. Nach den neuesten Verordnungen wäre viel mehr möglich, wir möchten aber weiter vorsichtig sein und daher haben wir die Sitzplatzkapazitäten moderat durch 2er und 3er Stuhlgruppen erweitert. Fotos weiter unten. Hier sollen sich primär Ehepaare und Familienangehörige nebeneinander hinsetzen können.

Neu sind die Sitznummern und die Karten mit Sitznummer, auf welcher Sie bitte weiterhin Name, Adresse und Telefonnummer eintragen. Diese werden in einem verschlossenen Umschlag verwahrt und nach 4 Wochen vernichtet (wenn das Ordungsamt diese nicht anfordert). Ansonsten bleibt alles wie gehabt: Abstand halten, Hände desinfizieren, Eingang vorne und Ausgang hinten sowie Maske tragen.

Wir freuen uns auf Sie und laden herzlich zu Gottesdiensten in unserer Kirche ein. Bitte helfen Sie durch das Einhalten der Regeln mit, dass weiter Gottesdienste stattfinden können.

Bleiben Sie gesund und behütet!

Ihre Nicola Henkel

Alle Fotos: Pfarrer Christof Bleckmann

Gelungene Premiere im Garten des Gemeindezentrums…

Heute hat das Wetter mitgespielt und wir haben das erste Mal Gottesdienst unter freiem Himmel im Garten des Gemeindezentrums Tersteegenstraße gefeiert. Eine gelungene Premiere mit Gesang (auch wenn man unsere Kirchenmusikerin auf dem zweiten Foto nur zum Teil sieht).

Wenn das Wetter mitspielt, findet unsere Sommerpredigtreihe ab dem 28.06. als Freiluftgottesdienst statt. Achten Sie auf die Ankündigungen/Schilder.

Hier einige Impressionen:

Foto: Rüdiger Gutsche

Foto: Rüdiger Gutsche

Foto: Kurt Runge

Foto: Kurt Runge

Foto: Kurt Runge

Foto: Kurt Runge

Erster Gottesdienst von Pfarrer Bleckmann an Christi Himmelfahrt

Liebe Gemeindemitglieder,

wir hatten einen sehr schönen Kurz-Gottesdienst mit Superintendentin Ilka Werner und haben Pfarrer Christoph Bleckmann begrüßt. Er bedankt sich  ganz herzlich dafür.

Damit Sie auch einen kleinen Eindruck bekommen anbei zwei Fotos, wobei wir uns bei dem 2. Bild extra auseinandergestellt und die Masken kurz heruntergenommen haben, damit Sie uns auch erkennen.

Fotos: Bruder von Pfarrer Bleckmann

 

Kanzelabkündigung zum 75. Jahrestag des Kriegsendes von unserer Superintendentin

„Selig sind, die Frieden stiften, denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Matthäus 5, 9)

Pfarrerin Dr. Ilka Werner, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Solingen, spricht eine Kanzelabkündigung zum Gedenken an das Kriegsende vor 75 Jahren.

https://www.youtube.com/channel/UCX0D1Cf0ePUK1pxQIz2vv4g

 

Impuls für heute… – Raus auf die Strasse!

In der Osternacht war ich in den Straßen von Gräfrath unterwegs und habe auf Gehwege und Bürgersteige die Osterbotschaft geschrieben: Der Herr ist auferstanden! Manchmal auch ergänzt: Er ist wahrhaftig auferstanden! – so lange bis meine Straßenkreide alle war! Ich fand, das war eine klasse Aktion, dieser stille Flashmob, an dem ich mich da beteiligt habe – und der Inhalt ist es sowieso! Diese gute Nachricht muss raus auf die Straßen. In diesem Jahr umso mehr, da die Kirchen für unsere Oster-Gottesdienste geschlossen waren.

Auf die Straße hinaus trieb es auch zwei Jünger Jesu, die sogenannten Emmaus-Jünger. Obwohl es schon Abend war und bald Nacht würde. Darum hatten sie ja den unbekannten Wanderer eingeladen, bei ihnen zu bleiben. Der fremde Mann hatte sich auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus zu ihnen gesellt, als sie so traurig nach Hause gingen. Was sollten sie noch in Jerusalem? Jesus gekreuzigt und dann das seltsame Gerede der Frauen vom leeren Grab? Und dass Jesus auferstanden sei! Die beiden wussten nicht so recht, was sie von alledem halten sollten.

Der Mann spricht sie an, scheinbar neugierig, was sie da unterwegs so traurig besprechen. Und sie schütten ihm ihr Herz aus, erzählen ihm alles, was passiert ist in den letzten Tagen in Jerusalem. Und der Mann hört zu, fragt nach und erklärt – er weiß gut Bescheid in den alten Schriften und sagt – das musste alles genau so passieren. Der Retter, den Gott schickt, wird sterben und auferstehn. Die beiden staunen und hören aufmerksam zu. Wie lebendig der Fremde ihnen die alten Schriften auslegt. So hatten sie das noch nie gehört!

Als sie zu Hause angekommen sind, ist es Abend geworden. Sie laden den Mann ein, bei ihnen zu bleiben, denn bald schon wird es Nacht werden. Gemeinsam setzen sie sich an den Tisch. Der Fremde nimmt das Brot, bricht es und im selben Moment begreifen die Jünger, wer da bei ihnen am Tisch sitzt.

Im nächsten Augenblick ist Jesus nicht mehr zu sehen. Sie fragen sich: Wie ist das nur möglich? Den ganzen Weg von Jerusalem sind wir mit ihm gegangen und haben ihn nicht erkannt. Aber es wurde uns immer leichter ums Herz!

Es hält sie nicht mehr zu Hause. Sie müssen wieder raus auf die Straße. Voller Freude laufen die beiden Jünger so schnell wie möglich zurück nach Jerusalem. Trotz Dunkelheit, trotz Nacht. Das müssen sie den anderen so schnell wie möglich erzählen! Die sollen die gute Nachricht erfahren: Der Herr ist auferstanden! Er ist wahrhaftig auferstanden!

Noch ist die Kreide-Botschaft auf dem Bürgersteig vor meinem Haus zu lesen. Wenn ich raus gehe in den Alltag, geht die Osterbotschaft mit. Das ist nicht vorbei, auch wenn die beiden Osterfeiertage um sind. Der auferstandene Herr geht mit. Er ist mit mir unterwegs, teilt meine Sorgen, hört meine Fragen, gibt Trost und Zuversicht, wenn ich traurig und niedergeschlagen bin. Und immer wieder – wie bei den Emmaus-Jüngern – Momente des Glücks, der Dankbarkeit und der Erkenntnis: Ja! Jesus lebt! Er ist wahrhaftig auferstanden. Diese Nachricht muss raus – unter die Leute – auf die Straße!

Bärbel Albers